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Architektur

Vom 4. Jahrhundert bis zum Untergang des Römischen Reichs (553) war die Basilika der bevorzugte Bautyp, im Allgemeinen dreischiffig, in den kaiserlichen Prachtbasiliken fünfschiffig. Zentren der Architektur waren Rom (S. Paolo fuori le mura, 395 vollendet; Sta. Sabina, 422-432; S. Lorenzo, 579-590; Sant'Agnese fuori le mura, 625-630), Mailand (S. Lorenzo, um 370) und Ravenna (S. Apollinare nuovo, um 490; S. Apollinare in Classe, 532-549). Die Taufkirchen (Baptisterien) waren zentral angelegt (Rom: Taufkapelle des Lateran, 312-336; Ravenna: 2 Baptisterien, um 500), ebenso die Grabkirchen (Rom: Sta. Costanza, nach 354; Ravenna: Grabkapelle der Galla Placidia, um 450). Diese Grundform findet sich auch am Grabmal des Theoderich in Ravenna (um 526), in Anknüpfung an die römischen Mausoleen der Kaiserzeit.

Die in der altchristlichen Kunst wurzelnde romanische Baukunst entwickelte sich in wenigen Zentren. Die Kirchen der Lombardei und der Emilia (Verona, Mòdena, Piacenza, Cremona, Ferrara, Parma, Como, Mailand), meist ohne Querschiff, mit Stützenwechsel, reichem Portalschmuck, figuraler Fassadenornamentik und Zwerggalerie, erinnern an den nordischen Kirchenbau dieser Zeit. Die florentinische Romanik (sog. Protorenaissance) blieb stärker mit der antiken Tradition verbunden (S. Frediano in Lucca, Badia in Fiesole, S. Miniato al monte und das Baptisterium in Florenz). In Pisa (Dombezirk mit Baptisterium und Campanile) bildete sich die Säulenarchitektur am glanzvollsten aus.

Die dem italienischen Empfinden eigentlich fremden Baugedanken der Gotik wurden, durch burgundische Zisterzienser vermittelt, erstmals in den Abteien von Fossanova und Casamari aufgenommen. Bedeutende Bauten errichteten die Bettelorden in Assisi (S. Francesco) und Florenz (Sta. Croce und Sta. Maria Novella), die dann von den Domen in Siena, Orvieto und Florenz an Grösse, Schmuck und Ausstattung übertroffen wurden. Am weitesten ging der nordische Einfluss in Bologna (S. Petronio) und Mailand (Dom). Immer stärker traten jetzt auch Profanbauten neben die Sakralarchitektur.

In der florentinischen Frührenaissance wurde der Typus des italienischen Palasts ausgebildet, der mit einigen Abwandlungen 300 Jahre lang im ganzen Land gültig blieb: ein breiter, rechteckiger, regelmässiger Baukörper, im Innern ein säulengetragener Hof. Als eine eigene Bauform kam zum Palast die Villa hinzu, ein aus dem antiken Landhaus entwickeltes Landschlösschen (Poggio a Caiano, um 1480).

Die im Kern florentinische Leistung der Frührenaissance ging vor allem auf die genialen Bauideen F. Brunelleschis zurück. Ihm ging es in seinen Bauten (San Lorenzo mit Sakristei, Santo Spirito, Pazzikapelle, Findelhaus und Domkuppel in Florenz) um eine Wiedergeburt der antiken Formenwelt, deren Studium er - zusammen mit Donatello - eifrig betrieben hatte. Man bevorzugte einfache stereometrische Gebilde und erstrebte eine überschaubare, in sich geschlossene Raumordnung. Brunelleschis Schüler Michelozzo brachte sie nach Oberitalien. Mit der mehr auf machtvolle Raumeinheit gerichteten Baukunst L. B. Albertis begann eine spätere Phase der Renaissancearchitektur, die sich nun auch theoretisch mit der Antike auseinander setzte. Mit den Bauten D. Bramantes kam die entscheidende Wende zur Hochrenaissance (Sta. Maria delle Grazie in Mailand, Tempietto im Hof von S. Pietro in Montorio). Er brachte mit seinen Entwürfen die Zentralbau-Idee auch in die Planung der Peterskirche in Rom ein. In Michelangelos Schaffen begegneten sich Hochrenaissance, Manierismus und Barock. A. Palladio entwickelte auf der Grundlage der Antike und der Hochrenaissance einen Klassizismus, der bis zum 19. Jahrhundert in ganz Europa und in Amerika schulbildend war.

Vignolas Il Gesù verkörperte als erste Kirche in Rom die Baugedanken des Frühbarocks. Während C. Maderna (Sta. Susanna und Vorhalle von St. Peter in Rom) zum Hochbarock überleitete, fand diese Entwicklung ihre bedeutendsten Repräsentanten in G. L. Bernini (Kolonnaden des Petersplatzes) und F. Borromini (S. Carlo alle quattro fontane und S. Ivo in Rom).

Im 19. Jahrhundert legte Gianantonio Antolini (* 1754, † 1842) bedeutende Entwürfe für das Foro Bonaparte in Mailand vor; vollendet wurde aber nur der Arco della Pace (1806-1838) von Luigi Cagnola (* 1762, † 1833), in der Tradition der altrömischen Triumphbögen. Giuseppe Valadier (* 1762, † 1839) gestaltete 1784-1816 die Piazza del Popolo in Rom. 1865-1867 entstand die als Typ wichtige grosse Kaufhalle der Galleria Vittorio Emanuele in Mailand von Giuseppe Mengoni (* 1829, † 1877). Der Faschismus verschrieb sich einer bombastischen neuklassischen und neubarocken Bauweise. Nach dem Krieg mischten sich moderne Tendenzen in vielfältiger Weise, ein Beispiel für den plastischen Stil ist der schon 1950 vollendete Hauptbahnhof in Rom. Vertreter der postmodernen Architektur versammelten sich ab 1964 in der Gruppe G.R.A.U. Von überragender Bedeutung sind die Ingenieurbauten P. L. Nervis; beim Pirelli-Haus in Mailand (1958) arbeitete er mit G. Ponti zusammen. Zu den berühmtesten italienischen Architekten des 20. Jahrhunderts gehört A. Rossi (* 1931, † 1997), der mit dem Welt-Theater in Venedig (1979) oder der Stadthalle von Borgorico/Padua (1986) seinen internationalen Ruf festigte.


Plastik

In altchristlicher Zeit entstanden vor allem Sarkophage, die Holztüren von S. Ambrogio in Mailand (Ende 4. Jahrhundert) und Sta. Sabina in Rom (um 430). Erst rund 500 Jahre später gelang ein neuer Anfang mit den Bronzetüren von S. Zeno in Verona. B. Antelami (nachweisbar bis 1233) entfaltete in Parma eine reiche Tätigkeit. Bedeutende Werke des Bronzegusses sind die Türen der Dome von Trani, Benevent, Pisa und Monreale (um 1170 bis Anfang des 13. Jahrhunderts).

In der Gotik des 13. Jahrhunderts verbanden Niccolò Pisano und Giovanni Pisano sowie Arnolfo di Cambio französisches Formengut mit einer ursprünglichen Nähe zur Antike (Arbeiten in Florenz, Orvieto, Perùgia, Pisa, Pistòia, Rom, Siena).

Während L. Ghiberti (Bronzetüren am Baptisterium und Figuren für die Kirche Or San Michele in Florenz) noch der Gotik verpflichtet blieb, führte Donatello das Standbild, die freistehende Statue, einer neuen Blüte entgegen (Reiterdenkmal des Gattamelata in Padua) und gab der Bildnisbüste eine Bedeutung zurück, wie sie sie seit dem Ausgang der Antike nicht mehr besessen hatte. Mit seinem bronzenen David (Florenz, Bargello) brachte er die Aktfigur zu neuer Geltung. Neben und nach ihm wirkten in Florenz N. di Banco, L. della Robbia, Desiderio da Settignano, A. Rosselino, Mino da Fiesole, B. da Maiano, in Siena J. della Quercia. Im Schaffen von A. del Verrocchio (Reiterdenkmal des Colleoni in Venedig) und A. del Pollaiuolo, die beide in erster Linie Bronzeplastiker waren, wurde die Darstellung persönlicher. Im plastischen Werk Michelangelos (Pietà, Juliusgrab, Medicigräber in Florenz), das zum Titanischen neigt, verlor die Darstellung die Züge des Menschlich-Vergleichbaren; sie löste sich aus der Zeitgebundenheit und führte in eine Welt des Sinnbildhaft-Allgemeingültigen. B. Cellini und Giovanni da Bologna waren Hauptmeister der manieristischen Skulptur. G. L. Bernini fasste in seinem reichen Werk alle Möglichkeiten des Hochbarocks zusammen: Pathos und Dramatik, eine ausgreifende Räumlichkeit und die gestalterischen Kräfte von Farbe und Licht. Am Ende des Jahrhunderts steht A. Canova mit seinem weich modellierenden Klassizismus. Im 19. Jahrhundert brachte Italien keine Plastik von europäischem Rang hervor, erreichte aber im Denkmal für Viktor Emanuel II. in Rom 1885 einen sonst nirgendwo erreichten Gipfel des Bombasts.

Um so bedeutender ist die Plastik der Gegenwart mit P. Consagra, E. de Fiori, G. Manzù, M. Marini, Arnoldo Pomodoro, Gio Pomodoro, A. Viani, M. Merz oder G. Zorio vertreten.


Malerei

Die Malerei in den Katakomben Roms begann im 3. Jahrhundert. Über schlichte Handwerklichkeit gehen nur wenige ausdrucksstarke Köpfe im impressionistischen Stil der Spätantike hinaus. Die Orans - eine Gestalt mit erhobenen Händen - verkörpert die dem Tod verfallene Menschheit, die betend die Arme zu Gott hin öffnet. Noch häufiger ist Christus als der Gute Hirte dargestellt.

Im 4. Jahrhundert entstand aus dem Erlebnis der Transzendenz eine raumbeherrschende Monumentalmalerei, die übersinnlich leuchtenden Mosaiken in den Kuppeln von Zentralbauten und in den Apsiden, an Triumphbögen sowie an den Wänden der Langhäuser von Basiliken. Zentren dieser Kunst waren Rom (4.-7. Jahrhundert) und Ravenna (5./6. Jahrhundert).

Zur romanischen Epoche gehören die Szenen der Clemens- und Alexiuslegende in der Unterkirche von S. Clemente in Rom (um 1080), das bedeutendste Werk der europäischen Monumentalmalerei aus diesem Jahrhundert, sowie der Bilderzyklus in Sant'Angelo in Formis (2. Hälfte des 11. Jahrhunderts), das vollständigste erhaltene Beispiel für die Ausmalung einer christlichen Basilika.

Im Trecento entwickelten P. Cavallini, Jacopo Torriti, Cimabue und Duccio di Buoninsegna aus der maniera greca einen neuen Stil in der Begegnung mit der Antike. Die Neigung zum Plastischen und Raumhaften, zu farbigem Reichtum und leidenschaftlicher Beseelung wird deutlich. Radikal durchbrach dann Giotto den Bann der Traditionen: er schuf die Grundlagen für die Malerei der Renaissance in Italien, für die gesamte nachmittelalterliche Malerei in Europa. Das spätere Trecento stand im Zeichen der Giotto-Nachfolge (B. Daddi, T. Gaddi u. a.). Eigene Wege ging die Schule von Siena: S. Martini leitete die westlich-gotische Richtung in Italien ein. A. Lorenzetti schuf mit den Fresken im Rathaus von Siena einen Mittelpunkt der politischen Besinnung und zugleich ein kühnes Beispiel für eine die Weite des Raumes umfassende Landschaftsmalerei.

Im Quattrocento war in Florenz eine Fülle überragender Meister tätig, u. a. Masaccio, P. Uccello, A. del Castagno, Veneziano. Die menschliche Gestalt wurde statuarisch vor einen perspektivisch gebildeten Raum gestellt und mit ihm verbunden. Während die Florentiner (Fra Filippo Lippi, Fra Angelico, B. Gozzoli) um die Mitte des Jahrhunderts die Details des Bildes verfeinerten, vereinigte der Stil des auch als Malereitheoretiker tätigen P. della Francesca Körperlichkeit, Bildfläche und Farbkraft zu wuchtiger Wirkung. In dieser Zeit traten nach Thema und Form neuartige Bildgattungen auf. Man liess Bilder in Wandvertäfelungen oder in Möbelstücke (Cassone) ein. In zunehmendem Mass wurden antike Göttersagen oder geschichtliche Ereignisse dargestellt. Diese Entwicklung wurde in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts in Florenz durch D. Ghirlandaio, S. Botticelli, F. Lippi, Piero di Cosimo, in Umbrien durch P. Perugino und L. Signorelli, in Oberitalien durch Gentile und Giovanni Bellini, V. Carpaccio und A. Mantegna auf ihren Höhepunkt geführt.

Leonardo da Vinci und Raffael waren die grossen Meister der Hochrenaissance, die in Leonardos Theorie, Naturstudien und individualisierender Menschendarstellung und in den Madonnen und Fresken Raffaels ihre Vollendung fand. Die oberitalienischen Künstler suchten bei stärkerer Bewertung des koloristischen Elements eine grössere Naturnähe (Giorgione, Tizian).

Die Spätwerke Raffaels und Michelangelos sowie die Einwirkung der deutschen Spätgotik führten in Florenz um 1520 zum Manierismus, der sich im Laufe des Jahrhunderts in lokal modifizierten Formen über ganz Italien ausbreitete (J. Pontormo, Rosso Fiorentino, A. Bronzino, Parmigianino, Tintoretto, J. Bassano, P. Veronese, A. A. da Corrèggio).

Die Malerei des Barocks zeigte eine naturalistische und eine klassizistische Richtung. Caravàggio, Hauptvertreter der ersten, verband in seinen Werken krasse, realistische Sachlichkeit mit einer effektvollen Hell-Dunkel-Technik, die in der europäischen Kunst Epoche machte und auf Rembrandt, Rubens und Velázquez wirkte. Die klassizistische Barockmalerei ging vornehmlich von den Bologneser Akademikern (Carracci) aus und beeinflusste besonders die französische Kunst.

Im 18. Jahrhundert verlagerte sich der Schwerpunkt des Kunstlebens nach Oberitalien, wo G. B. Tiepolo und seine Söhne die Tradition der italienischen dekorativen Malerei zum letzten Mal glänzend zusammenfassten und bis nach Deutschland und Spanien trugen. Im Werk F. Guardis und der Canalettos blühte die Vedutenmalerei.

Der Malerei des 19. Jahrhunderts blieb eine übernationale Auswirkung versagt. Der Beitrag Italiens zur Malerei des 20. Jahrhunderts ist von grundlegender Bedeutung: im Futurismus (U. Boccioni, C. Carrà, L. Russolo, G. Severini) und in der Pittura metafisica (M. Campigli, C. Carrà, G. de Chirico, G. Morandi). In der abstrakten Malerei fanden R. Birolli, A. Burri, G. Capogrossi, A. Magnelli und E. Vedora internationale Beachtung. L. Fontana ist der Exponent des 1946 in Mailand entstandenen Spazialismo. Die im gleichen Jahr gegründete Vereinigung Fronte Novo delle Arti bemühte sich um eine Erneuerung der figurativen Malerei, die in R. Guttuso ihren bedeutendsten Vertreter fand.

Die Gegenwartsszene bietet ein breites Spektrum heterogener Bestrebungen. M. Merz vertritt die Objektkunst, P. Manzoni die Arte Povera, V. Adami die Narrative Figuration und S. Chia als jüngster die neoexpressionistische gegenständliche Malerei.


Literatur

Die italienische Literatur begann später als die eigensprachige Literatur der anderen romanischen Länder, da bis ins 13. Jahrhundert das Lateinische die beherrschende Sprache blieb. Am Beginn stehen der Cantico delle Creature (Sonnengesang) des Franz von Assisi, entstanden 1224/25, und die Laude (geistliche Lobgesänge) des Jacopone da Todi (im ersten bzw. letzten Drittel des 13. Jahrhunderts). Ins gleiche Jahrhundert fällt die sog. Sizilianische Dichterschule, die von einem Dichterkreis am Hof Friedrichs II. in Palermo begründet wurde; nachempfunden wurde die Troubadourlyrik der Provence in italienischer Sprache. Als neue Form entstand das Sonett, dessen ältestes uns erhaltenes Beispiel von Giacomo da Lentino (*um 1185, † um 1250), dem Kanzler des Kaisers, stammt. Die Lauden Jacopones da Todi sind eine der Keimzellen des späteren italienischen Dramas, da sich aus ihnen die Mysterienspiele des späteren Mittelalters entwickelt haben.

Im 13. Jahrhundert formte G. Guinizelli in Bologna aus dem provençalisch-sizilianischen Minnesang den Dolce Stil Nuovo (Süssen Neuen Stil), der besonders in der Toskana angesiedelt war.

Das 14. Jahrhundert führte die italienische Literatur mit dem klassischen Dreigestirn Dante, F. Petrarca, G. Boccaccio auf den ersten Höhepunkt, dem grösste europäische Bedeutung zukommt. Dantes Göttliche Komödie ist eine Summe des mittelalterlich-abendländischen Denkens. Die Ausdruckskraft der Sprache der Lyriker des Dolce Stil Nuovo war so verfeinert, dass sie später auch zum vollkommenen Instrument der hohen Gefühls- und Gedankenlyrik F. Petrarcas werden konnte, in der sich antikes Form- und Gedankengut mit einer neuen Welterfahrung und den Errungenschaften des Neuen Stils verknüpfte und die für Jahrhunderte das grosse Vorbild der Dichter Italiens und Europas wurde. G. Boccaccios Decamerone begründete die italienische Kunstprosa und wurde das klassische Modell der italienischen Novellistik. A. Poliziano schrieb mit seinem Orpheus das erste weltliche Schauspiel, J. Sannazaro wurde mit dem Versroman Arcadia zum Vorbild für die gesamte europäische Hirtendichtung der Neuzeit. M. M. Boiardos Der verliebte Roland brachte eine Wiederbelebung des höfischen Epos französischen Stils in romantisch-ironisierender Form.

In der Hochrenaissance im 16. Jahrhundert setzte sich die Vulgärsprache entgültig gegen das Lateinische durch. P. Bembo wurde der erste Grammatiker und glänzender Stilist dieser neuen italienischen Sprachblüte. Er begründete zudem durch seine absichtsvolle Nachahmung F. Petrarcas den formstrengen Petrarkismus, dem auch die gefühlsstarke Lyrik der Dichterinnen Gaspara Stampa und Vittoria Colonna entsprang. Abseits des Formalismus stehen die zugleich sprach- und aussagegewaltigen Gedichte Michelangelos. Das romantisch-ironisierende Ritterepos gelangte in L. Ariostos Der rasende Roland zu höchster Vollendung. T. Tassos Aminta und G. B. Guarinis Der treue Schäfer brachten Schäferdichtung und Schäferspiel zu europäischer Geltung; sie wurden zum künstlerischen Erlebnis ganz Europas. Die Novellistik ist durch viele glänzende Namen vertreten, vor allem durch M. Bandello. Schliesslich reifte das Drama von der antikisierenden Komödie bis zu der von Berufsschauspielern geprägten Commedia dell'Arte heran.

In der Barockzeit, dem Secento, verlor das Epos an Bedeutung, doch entwickelte sich eine rege wissenschaftliche Prosa (G. Galilei, G. Bruno, T. Campanella). Im 18. Jahrhundert fand das Drama in C. Goldoni und C. Gozzi neue Meister. A. Manzoni fasste die romantischen Ideale der Vaterlandsliebe, der christlichen Gesinnung und der Geschichtsnähe in seinen Hymnen und seinem historischen Roman Die Verlobten zusammen. Klassische Form und romantisches Fühlen vereinen sich in den durch Erfindungsreichtum ausgezeichneten Gesängen G. Leopardis.

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde von der Lyrik G. Carduccis, G. d'Annunzios und G. Pascolis beherrscht, während in der Erzählkunst A. Fogazzaro ein Meister des italienischen psychologischen Romans wurde. Ihn übertrifft an Wirkung noch G. Verga, der Begründer des Verismus, dem M. Serao und G. Deledda folgten. Welterfolg hatten die Romane G. d'Annunzios, die Jugendschriften E. de Amicis' und C. Collodis.

Zwischen 1900 und 1950 hatten die philosophischen und literarästhetischen Werke B. Croces grossen Einfluss. Nach dem 1. Weltkrieg gab L. Pirandello besonders dem Schauspiel neue Impulse. Bedeutsam sind nach 1945 die gesellschaftskritisch-psychologischen Romane A. Moravias und die sozialkritischen Bücher C. Levis und I. Silones sowie die neorealistischen Romane von C. E. Gadda, P. P. Pasolini, C. Pavese, V. Pratolini und E. Vittorini. Zu internationalen Erfolgsautoren wurden die Schriftsteller C. Malaparte (Kriegsromane), G. Guareschi (mit Schelmenromanen um Don Camillo und Peppone), G. Tomasi di Lampedusa (historischer Heimatroman Der Leopard). Seit Anfang der 60er Jahre setzten sich fantasievolle Erzähler gegenüber dem Neorealismus durch (I. Calvino, D. Buzzati, T. Landolfi); U. Eco errang mit einem wissenschaftlichen Kriminalroman einen grossen Erfolg; L. Sciascia klagt in seinen (Kriminal-)Romanen die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Sizilien an. Der Dramatiker D. Fo schreibt gesellschaftskritische Agitationsstücke. Als Lyriker traten G. Ungaretti, E. Montale, U. Saba und S. Quasimodo hervor.


Musik

Im Gegensatz zur Musik der Römer hat die italienische Musik entscheidenden Anteil an der Entstehung und Fortentwicklung der abendländischen Musik gehabt. Dies hängt vor allem mit der frühen Christianisierung Italiens zusammen, woraus einmal die Übernahme östlicher, vor allem griechischer und später alexandrinischer und byzantinischer Musikübung, dann überhaupt die Förderung der Musik durch die Kirche, schliesslich die Verbreitung der in Italien sich herausbildenden musikalischen Formen über das christliche Abendland hin resultierte.

Die erste eigene Musikschöpfung Italiens war der gregorianische Choral, der über Europa hinausstrahlte und die Grundlage aller späteren nationalen Musikarten wurde. Für ihn führte um 1000 Guido von Arezzo die Neumen ein, aus denen sich die spätere Notenschrift entwickelte.

Mehrstimmige Musik in Organum-Technik ist für den kirchlichen Bereich schon im 10. Jahrhundert belegt (Mailand). Einen ersten Höhepunkt hatte die italienische Musik im Trecento (14. Jahrhundert): F. Landino, G. da Cascia u. a. entwickelten in Madrigal, Ballata (Tanzlied) und Caccia (Kanonart) die neue vielstimmige Vokalmusik (mit weltlichen Texten), die sehr schnell besonders nach Bologna (Jacopo da Bologna), Padua und Brescia übergriff. Zu einer abermaligen Erneuerung kam es gegen Ende des 15. Jahrhunderts durch die Übernahme volksmusikalischer Elemente: Frottola (heiteres Volkslied), Villanella (Tanzlied) und Kanzonetta wurden gesellschaftsfähig und gaben der Kunstmusik neues Leben. Auch das Madrigal erlebte einen neuen Aufschwung; eine neue Harmonik, die bereits die Chromatik verwendete, diente tonmalerischen Absichten. Cyprian de Rore (* 1516, † 1565), Gioseffo Zarlino (* 1517, † 1590), A. Gabrieli, L. Marenzio, Nicola Vicentino (* 1511, † 1572), C. Gesualdo und C. Monteverdi waren seine besten Vertreter. Daneben stand die reine Instrumentalmusik (absolute Musik) in den Formen des Ricercar und der Fantasia (später zur Fuge weiterentwickelt), Präludium und Toccata, schliesslich die Sonate. Hier wurde besonders Venedig mit A. Gabrieli führend.

Beide, die mehrstimmige Vokalmusik (Madrigal) wie die Instrumentalmusik, wirkten bereichernd auf die Kirchenmusik zurück, die in der neuen Vielstimmigkeit und Mehrchörigkeit eines Giovanni Gabrieli höchste Farbenpracht erreichte. Dagegen blieb allein die päpstliche Kapelle in Rom der gregorianischen Tradition treu. Palestrina entwickelte hier in Messe und Motette seinen sich von der Realistik des Madrigals abwendenden, in Linienführung und Harmonik alten Traditionen verpflichteten Stil.

Um 1600 begannen mit der Entstehung der Oper ganz neue Impulse die italienische Musik zu beleben. Noch im Zusammenhang mit den Bestrebungen der Renaissance versuchte in Florenz ein Kreis von Gelehrten, Dichtern und Musikern (Florentiner Camerata) die Erneuerung der antiken Tragödie, was zur Schaffung eines ganz neuen, andersartigen musikalischen Stils führte. Im Gegensatz zur Kunst des Madrigals entstand der Sologesang mit einer einfachen harmonischen Begleitung, d. h. Arie und Rezitativ mit Generalbass (Lodovico Viadana, * 1564, † 1645, E. del Cavalieri, G. Caccini, J. Peri), woraus sich wenig später die ersten Opern, u. a. Monteverdis (Orfeo 1607), entwickelten. Mit der Berufung dieses Meisters wurde Venedig der Mittelpunkt der neuen Kunstrichtung und mit den Nachfolgern F. Cavalli und M. A. Cesti Ausgangspunkt einer neuen Epoche der abendländischen Musik.

Die Motette entwickelte sich im 17. Jahrhundert zur Kantate (S. Rossi, F. Cavalli, A. Scarlatti); als Gegenstück zur Oper entstand das Oratorium (Cavalieri, G. Carissimi), die Kammerkantate löste das Madrigal ab. Ebenso stark äusserten sich die neuen Impulse in der Monodie (Einstimmigkeit), in der Orgel- (G. Frescobaldi) und in der Instrumentalmusik. Hier trat noch besonders der virtuose Zug hervor. Fuge, Kammer- und Triosonate, Concerto grosso und Solokonzert (denen A. Stradivari, A. Amati und G. Guarneri die neuen Instrumente schufen) wurden die adäquaten Formen des barocken Musizierens.

Die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts sah die italienische Musik in der Vollendung dieser Barockmusik auf einem unvergleichlichen Höhepunkt. Weltweite Bedeutung gewannen für die Instrumentalmusik B. Marini, Giuseppe Tartini (* 1692, † 1770), P. A. Locatelli, G. Torelli, A. Vivaldi, A. Corelli, Giovanni Battista Sammartini (* 1698, † 1775) und im 19. Jahrhundert N. Paganini. In Neapel erlebte die Oper, die die Schönheit der Melodie und die Virtuosität des Gesangs (Kastratenwesen) pflegte, eine neue Blüte. Hier entstand auch die Opera buffa. Die Werke von Francesco Durante (* 1684, † 1755), N. Jommelli, L. Leo, N. Piccini, G. B. Pergolesi, D. Cimarosa wurden oft gespielt.

Ab Ende des 18. Jahrhunderts behielt nur die italienische Oper weiterhin Weltgeltung, und Namen wie G. Rossini, V. Bellini, G. Donizetti, G. Spontini beherrschten die Opernbühnen. In G. Verdi entstand der italienischen Musik schliesslich das grösste dramatische Genie. Um ihn gruppierten sich, in Abwehr des Wagnerischen Musikdramas, P. Mascagni und R. Leoncavallo, dann U. Giordano, G. Puccini und F. Busoni. In ihrer Nachfolge standen, wenn nun auch schon durch die neuen Stilelemente des Impressionismus und danach der modernen Musikentwicklung abgehoben, u. a. R. Malipiero, O. Respighi und A. Casella sowie deren Schüler (L. Dallapiccola u. a.).

Die neue italienische Musik nach 1945 ist verbunden mit den entsprechenden Entwicklungen in anderen europäischen Ländern (serielle und elektronische Musik). Ihre wichtigsten Vertreter sind L. Berio, S. Bussotti, F. Donatoni, F. Evangelisti, B. Maderna, G. Manzoni, G. Petrassi und vor allem der auch politisch engagierte L. Nono.

Quelle: www.wissen.de



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