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Bericht: Arbeiten in Italien von Dr. Dirk Wetzel

aus Italien
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b in den Süden, endlich die italienische Lebensart dauerhaft und pur geniessen! Wenn das auch Ihr Traum ist, dann lassen Sie sich gesagt sein: vor die dolce vita hat Gott die italienische Bürokratie gesetzt und die schlägt unsere deutsche um Längen. Sie werden die Erfahrung machen, dass sie nicht alles sofort bekommen, sondern dass Sie jeweils mehrere Anläufe und vor allem viel Zeit brauchen, um in kleinen Schritten ans Ziel zu kommen. Der einzige Vorteil: die Menschen in den Behörden sind im allgemeinen viel freundlicher als bei uns und nehmen sich auch Zeit, einem Ausländer mit Händen und Füssen klar zu machen, welche bürokratischen Hürden sich ihm im weiteren stellen. Vielleicht meinen Sie, als EU-Bürger (entrocomunitari) müsste alles viel leichter gehen? Falsch, es geht viel schwieriger! Der Leiter einer Zeitarbeitsfirma meinte, es sei einfacher einen Afrikaner zu beschäftigen als einen Deutschen. Zwar haben die Italiener dieselben europäischen Richtlinien ratifiziert wie wir Deutschen, aber bis die Gesetze in den einzelnen Behörden angewandt werden, dauert es seine Zeit. Und ausserdem kann sich alles jeden Tag ändern. Seien sie also gewappnet, wenn Sie den Schritt in den Süden wagen.


Nun das Wichtigste mit Stand Sommer 2002:


Um Italien arbeiten zu können, brauchen Sie – auch als EU-Bürger – eine Aufenthaltsgenehmigung (permesso di soggiorno). Diese erhalten Sie bei der örtlichen Questura, wobei bei zu beachten ist, dass in Grossstädten häufig eine eigene Dienststelle für Ausländer zuständig ist. Fragen Sie also vorher nach der richtigen Adresse, bevor Sie sich auf den Weg machen. Für den Permesso brauchen Sie:

  • Passfotos
  • einen gültigen Personalausweis oder Reisepass,
  • ein nach Möglichkeit halbwegs dauerhaftes Quartier im Ort (etwa bei Freunden).

Diese Adresse erscheint auf dem Permesso und ist für die folgende Prozedur von Bedeutung, deshalb wäre eine Hoteladresse nicht anzuraten. Die Adresse gilt automatisch als Domicilio (Nebenwohnsitz). Dazu ein Schreiben Ihres zukünftigen Arbeitgebers, dass er Sie anstellen will. Diese Referenz wird auf dem Permesso vermerkt.


Anmerkung der Redaktion: die Notwendigkeit der Aufenthaltsgenehmigung (permesso di soggiorno) für EU-Bürger ist im April 2007 abgeschafft worden. Bis sich das überall herumgesprochen hat, wird aber noch einige Zeit vergehen.


Der Permesso ist kostenlos. Die Bearbeitungszeit dauert rund 4 bis 8 Wochen. In dieser Zeit werden Sie (entgegen der europäischen Richtlinie) Ihren Job nicht antreten können, da Sie keine Firma ohne den Permesso anstellt. Der Durchschlag, den Sie nach Antragstellung erhalten, gilt trotz Passfoto nicht als Permesso. Leider interessiert hierbei nicht, dass Sie als EU-Bürger prinzipiell ein Anrecht auf den Permesso haben und er nur reine Formsache ist. Und noch etwas: Die Behörden informieren Sie in der Regel nicht über die Fertigstellung. Sie müssen also regelmässig nachfragen.


Den Permesso endlich in den Händen wird Ihr zweiter Behördengang zum Finanzamt gehen. Dort erhalten Sie den "Codice fiscale", Ihre Steuernummer, das A und O in Italien. Die Steuernummer ergänzt den als nicht sonderlich sicher geltenden italienischen Personalausweis und wird deshalb für alle Arten von Geschäften benötigt. Sie können ohne Steuernummer nicht einmal ein italienisches Handy kaufen – selbst mit einer Prepaid-Karte. Den Codice fiscale erhalten sie sofort als amtlichen Beleg ausgehändigt, später bekommen Sie dann eine praktische Plastikkarte für den Geldbeutel. Als Steueradresse wird die Adresse des Permesso eingetragen. Bei einem späteren Wohnsitzwechsel wird die Steueradresse intern automatisch korrigiert, sie brauchen also nicht nochmals zum Finanzamt.


Mit Steuernummer und Permesso gehen Sie nun zum örtlichen Arbeitsamt und beantragen eine "Dichiarazione C1". Mit dieser Erklärung beurkunden Sie, dass Sie bislang noch keine Arbeit in Italien haben und arbeitslos sind. Diese Bescheinigung braucht Ihr Arbeitgeber, weil Sie bisher noch kein "Libretto di lavoro" haben, aus dem dieser Status nachzuvollziehen ist. Auch für die Erstausstellung des Libretto ist die Bescheinigung wichtig, damit verhindert wird, dass Sie noch ein zweiten Libretto bekommen und damit schwarz arbeiten könnten. Nach Arbeitsantritt brauchen Sie sich übrigens nicht mehr beim Arbeitsamt abmelden. Das wird intern geregelt. Wundern Sie sich nicht, wenn Sie selbst als promovierter Hochschulabsolvent auf dieser C1-Erklärung den Vermerk finden, dass Ihr Bildungsgrad dem eines ungelernten Arbeiters entspricht. Deutsche Zeugnisse werden amtlicherseits nicht einfach so anerkannt. Das erfordert einen weiteren längeren bürokratischen Akt. In der Regel werden Sie erst jetzt einen Arbeitsvertrag unterschreiben können, da Sie erst jetzt legal arbeiten. Für den "Libretto di Lavoro" können Sie sich dagegen ein bisschen Zeit lassen.


Für den "Libretto di Lavoro", eine Art "Fahrtenbuch", in dem die Arbeitgeber eintragen, von wann bis wann Sie angestellt waren, reicht für EU-Bürger seit Neuestem ein Domicilio nicht mehr aus. Sie mussen eine Residenza beantragen, also Ihren Hauptwohnsitz nach Italien verlegen. Die Residenza melden Sie bei der zuständigen Anagrafe (Einwohnermeldeamt). Allerdings genügt hierfür ein Hotelzimmer oder eine Studentenzimmer nicht. Sie müssen entweder einen Mietvertrag vorlegen (und eine Wohnung können Sie nur mit Permesso und Steuernummer mieten) oder, wenn Sie bei jemand anderem wohnen, mussen, muss dieser Sie zur Anagrafe begleiten und dort beglaubigen, dass Sie bei Ihm wohnen. Anschliessend bekommen Sie ebenfalls in der Anagrafe das Libretto ausgehändigt, das Sie Ihrem Arbeitgeber übergeben müssen.


Am Ende brauchen Sie noch ein Bankkonto für ihre Gehaltszahlung. Auch hier gilt: ohne Permesso und Codice fiscale geht gar nichts, bei manchen Banken geht auch ohne Residenza nichts. Fragen Sie also vorher nach, falls Sie noch keine Residenza haben. Gehen Sie nur zu der Bankfiliale, die Ihrer Residenza oder der auf dem Permesso ausgewiesenen Adresse am nächsten ist. Alternativ können Sie auch zu der Filiale gehen, die Ihrem Arbeitgeber am nächsten ist. In diesem Fall sollten Sie noch Ihren Arbeitsvertrag oder eine Gehaltsabrechnung mitnehmen, aus der das ersichtlich ist. Für das Bankkonto zahlen sie neben der üblichen Kontoführungsgebühr eine vierteljährliche fixe Steuer an den Staat, ganz gleich, wieviel Geld sich auf dem Konto befindet (etwa 25 Euro pro Jahr).


Es empfiehlt sich – wenn nicht ohnehin gleich als ersten Schritt vor der Arbeitssuche – sich für die deutschen Zeugnisse (Berufsausbildung, Hochschulzeugnisse) eine sogenannte Äquivalenzbescheinigung ausstellen zu lassen (Dichiarazione di valore). Dazu müssen Sie sich an jenes italienische Konsulat wenden, das jeweils für die Region der Ausbildungsstätte zuständig ist. Wenn Sie mehrere Abschlüsse an verschiedenen Orten gemacht haben, müssen Sie sich ggf. für jeden Abschluss an ein anderes Konsulat wenden. Sie benötigen:


  • eine beglaubigte Kopie des Zeugnisses
  • eine von einem vereidigten Übersetzer angefertigte Übersetzung ins Italienische (eigene Übersetzung gilt nicht)
  • ca. 31 Euro an Gebühren

Bitte beachten Sie: die Prozedur dauert u.U. mehrere Monate. Fangen Sie frühzeitig an, wenn Sie die Nachweise in Italien sofort brauchen. Für Studenten/Schüler entfällt übrigens die Bearbeitungsgebühr.

Dr. Dirk Wetzel, Turin



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