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Bericht: Arbeiten in Italien von Minka Kuzmanovic

aus Italien
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Ein Land als Tourist kennen zu lernen hat etwas vom Streichelzoo, man darf das Tier mal anfassen, vielleicht beißt es zurück, vielleicht freut es sich über das Zuckerstück. Man hat die Garantie des Rückfahrscheins in der Tasche, die warme Mahlzeit im 4 Sternehotel. Traumland Ausland - der Traum bröckelt wie in jedem Land in dem man sich seine Pasta selbst verdienen muss. Es ist ein bisschen so, als ob man seinen Traummann trifft und in den rosa Wolken der Verliebtheit die markanten Seiten der Person nicht erkennt. Und erst nach Verblassen der ersten Verliebtheit erscheint das klarere Bild das weiterhin Attraktiven - nur etwas realer.


Mit dem folgendem Artikel möchte ich den an Italien Interessierten einige Tipps und Hinweise in Bezug auf Rom geben, die den Anfang erleichtern können.


Italien hat sich in erstaunlich vielen Bereichen einen beachtlichen Ruf erschaffen, es ist weltweit berühmt für seine Kultur, seine gesunde mediterrane Küche, Armani und Ferrari, die weich aufgeschäumte Milch auf dem Cappuccino. Auch die italienische Lebensart ist weltweit ein Begriff, doch diese Leichtigkeit gilt nicht für den italienischen Arbeitsmarkt. Wer einen Job sucht, braucht am besten Beziehungen und Bekannte (vor allem in Rom), wo diese noch die beste Jobbörse sind. Bis man diese aufgebaut hat, hilft sprudelndes Selbstbewusstsein, italienische Grundsprachkenntnisse, nudeldicke Geduld oder der eine oder andere der Links unter "weitere Infos".


"Piano, Piano" sagen die Italiener und das sollte man ruhig wörtlich nehmen, denn es wird viel geschwätzt und geredet. Erster Akt für einen längeren Arbeitsaufenthalt ist die italienische Bürokratie. Auch als EU- Bürger benötigt man das "Permesso di Soggiorno". Es wird in der Questatura (Roma, Via Genova 2) ausgestellt. Mitzubringen sind neben Geduld und Zeit, 4 Passbilder, Ausweis und ausreichende Sprachkenntnisse. Die Beamten sind nicht sehr hilfsbereit, sprechen weder englisch noch andere Fremdsprachen und können den hohen Ansturm der "Stranieri" kaum bewältigen. Für EU-Bürger ist es reine Formsache, jedoch ein Geduldsspiel. Das P.d S. wird in der Regel für 5 Jahre bzw. fristlos ausgestellt. Ferner verlangen seriöse Arbeitgeber eine Steuernummer das "Codice fiscale", das aus einem 14-stelligem Code aus Namen, Geburtsort und Geburtsdatum zusammengesetzt wird. P.d.S. und Codice fiscale sind gebührenfrei, kosten also nur etwas Zeit und Rennerei.


Anmerkung der Redaktion: die Notwendigkeit der Aufenthaltsgenehmigung (permesso di soggiorno) für EU-Bürger ist im April 2007 abgeschafft worden. Bis sich das überall herumgesprochen hat, wird aber noch einige Zeit vergehen.


Wer mit dem Formular 303 einreist und drei Monate das Recht auf Arbeitslosengeld hat, meldet sich unbedingt innerhalb 6 Tagen nach dem Abreisetag bei dem Ufficio di Collegamento. Danach reicht man die vom Arbeitsamt vorgefertigten Papiere und die Bestätigung vom Ufficio di Collegamento bei INPS (vergleichbar mit unserer Sozialversicherungsanstalt) ein. Am besten erkundigt man sich unter der Servicenummer 164 64 im Callcenter, wo einem die nächste Filiale genannt wird. Auf zügige Bearbeitung sollte man sich nicht verlassen, es ist besser gleich eigeninitiativ einen Job zu suchen und nicht mit pünktlicher Zahlung rechnen.


Italien, besonders Rom ist kein Job-Eldorado. In Norditalien, unter anderem Milano, ist es berufstechnisch sicher einfacher, dafür ist Norditalien aber auch etwas spröde und trocken. Da die Italiener ihre eigene Sprache wie ihre Mama lieben, andere Sprachen etwas stiefmütterlich behandeln, kann, wer gute Sprachkenntnisse in deutsch, englisch, französisch hat, in der Gastronomie und Hotellerie unterkommen. Allgemein sind die Gehälter niedrig; wer reich werden möchte, ist in Italien sowieso am falschen Ort.


Zu den Arbeitsbedingungen sei gesagt, dass diese vor allem im Privatbetrieb Nerven kosten können. Die Chefs erwarten oft viel, zahlen wenig, ignorieren gerne die Qualifikation und tun selbst bei leichten Aufgaben so, als vertrauten sie einem die Aufsicht über eine Atomfabrik an. Ohne Vertrag zu arbeiten birgt vor allem in den kleineren Hotels und Pensionen ein gewisses Risiko. Wenn man nach getaner Arbeit cash bezahlt wird und sich als Freelancer selbst versichert, mag es gehen. Von allem anderen ist abzuraten, da man nichts gegen den Arbeitgeber in der Hand hat und soziale Absicherung oder gar Kündigungsschutz oft ein Fremdwort ist. Nicht verzagen bei unbeantworteten Bewerbungsschreiben, auch wenn man leicht frustrieren kann bei dem Gedanken, dass die mit Mühe und Sorgfalt geschriebenen CVs anscheinend unbeachtet im Tiber landen. Wenn Telefonnummern angegeben sind: Anrufen und ein Colloquio (das Bewerbungsgespräch) vereinbaren. Man kann sich natürlich selbst weiterhelfen in dem man Sprachunterricht erteilt, sich als Babysitter oder Haushaltshilfe anbietet, vielleicht einen Aushang am Goethe-Institut oder am schwarzen Brett der nächsten Universität aushängt.


Ferner gibt es Personalvermittlungsagenturen wie z.B. Adecco, Manpower, die einen unter fairen Bedingungen einstellen. Doch auch hier dauert es, das richtige zu finden, am Besten nachhaken und ruhig etwas aufdringlich und nervig werden.


Weiterhin braucht es in der ewigen Stadt ewige Geduld ein bezahlbares Zimmer bzw. Wohnung zu finden. Die meisten Anzeigen finden sich in der wöchentlich erscheinenden Zeitung "Porta Portese". In vielen Internetcafes wie zum Beispiel im Subway auf der Piazza Barberini oder den Unis hängen oftmals Angebote aus, wo unter anderem auch Jobs angeboten werden.


Trotz der täglichen Hürden im Alltag, die wie kleine Nadelstiche sein können, lohnt es sich, sich auf die kleinen täglichen Abenteuer im römischen Leben einzulassen, allein im November bei blauem Himmel und Sonnensein bei fast 20 Grad am Collosseum mit einem Gelato in der Hand entlang zu schlendern, tröstet über den erneuten Streik der Busfahrer, die ewige verspätete und ständig verstopfte Tram, dem Dauergehupe der Motorini und ungeduldigen Autofahrer, hinweg.


Minka Kuzmanovic, Rom November 2003



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