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Italienische Kunst und Architektur

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Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

Italienische Kunst und Architektur, die Kunst und Architektur in den italienischsprachigen Gebieten des heutigen Italien. Von einer italienischen Kunst lässt sich ungefähr seit 1000 n. Chr. sprechen – zu voller Eigenständigkeit gelangte sie nach 1300.

Als wichtigstes Wesensmerkmal der italienischen Kunst und Architektur kann ihr über die Jahrhunderte nie verlorener und immer wieder erneuerter Bezug zur Kunst der Antike, ihre Verschmelzung von antiker Überlieferung und christlichem Glauben gelten. Noch die italienische Kunst des 20. Jahrhunderts knüpfte bis zur Gegenwart in ihren eigenständigsten Phasen (Pittura Metafisica, Arte Povera etc.) an die Antike und die davon ausgehende klassische Tradition an.

Die italienische Kunst verdankt sich einer hauptsächlich städtisch geprägten Kultur, wobei die Städte jeweils eigene Stile entwickelten (insbesondere Florenz, Rom, Venedig). Die Eigenständigkeit und gegenseitige Konkurrenz der Stadtkulturen wurde begünstigt durch die politische Zerrissenheit des Landes, das sich erst im 19. Jahrhundert seine staatliche Einheit erkämpfte. Die italienische Kunst nahm im Mittelalter (und auch später noch) vielerlei von außen kommende Einflüsse auf, insbesondere aus Byzanz, im Norden auch aus Frankreich und Deutschland, während im Süden islamische, auf Sizilien auch normannische Einflüsse erkennbar sind. Da diese Impulse von außen jeweils zu verschiedenen Zeiten wirkten und nachwirkten, erlebten die italienischen Kunstzentren und -landschaften auch in verschiedenen Epochen ihre Blütezeiten. Dieses komplizierte Nebeneinander und Nacheinander, diese räumlichen und zeitlichen Differenzierungen und Verschiebungen sind ein Grund für die einzigartige Vielfältigkeit und den Reichtum der italienischen Kunst. Ein anderer Grund liegt in der Förderung des Bilderkults durch die Päpste und ihre Absage an jeden Bildersturm, wie er im byzantinischen Osten und im protestantischen Norden wütete; in Italien gab es niemals einen Bildersturm. Vielmehr sicherten sich kirchliche Würdenträger wie weltliche Machthaber stets ihren Ruhm durch eine großzügige Förderung der Künste. Mit gleicher Ernsthaftigkeit sahen aber auch städtische Handwerker wie ländliche Kirchgänger in der Kunst eine Bereicherung selbst des alltäglichen Lebens und beharrten mit größter Selbstverständlichkeit auf ihrem Mitspracherecht in allen diesbezüglichen Fragen. Eine strikte Trennung von sakraler und profaner Kunst war der italienischen Kunst immer fremd.

In der frühen Neuzeit während der Renaissance und des Barock stieg Italien zur beherrschenden künstlerischen Macht in Europa auf. Im 18. Jahrhundert zerbröckelte diese Vorrangstellung und der künstlerische Schwerpunkt Europas verlagerte sich hin zur französischen Kunst und Architektur. Im 19. Jahrhundert stand Italien abseits der europäischen Kunstentwicklung, doch im 20. Jahrhundert sorgte das Land neuerlich für auffallend viele künstlerische Impulse. Italien ist das Land mit den weitaus meisten Kunstdenkmälern Europas (und mit sehr großen Problemen, die dieses überaus reiche Erbe mit sich bringt: insbesondere Schwierigkeiten des Erhalts und der Restaurierung sowie Gefahren durch Diebstahl aus Kirchen und Privathäusern und dem Verschwinden von Teilen der Magazinbestände aus Museen). In der italienischen Kunstgeschichte steht die Periodisierung nach Jahrhunderten gegenüber der Einteilung nach Epochen wie Gotik, Renaissance etc. im Vordergrund. Dabei ist aber zu beachten, dass z. B. die Bezeichnung Quattrocento den Zeitraum von 1400 bis 1500 meint und nicht wie im deutschen Sprachgebrauch das 14. Jahrhundert mit dem Zeitraum von 1300 bis 1400. Um Verwechslungen zu vermeiden, werden diese italienischen Zeitangaben üblicherweise originalsprachlich in deutsche Texte übernommen.

FRÜHE EPOCHEN

Zahlreiche Kunstwerke, Kunstdenkmäler und Funde auf italienischem Boden stammen aus antiken und frühchristlichen Kulturen; siehe hierzu die Artikel griechische Kunst und Architektur, etruskische Kultur, römische Kunst und Architektur, frühchristliche Kunst und Architektur, byzantinische Kunst und Architektur. Auch die Italiker, Normannen (siehe normannischer Baustil) und Sarazenen hinterließen ihre künstlerischen Spuren.

ROMANIK

Die Epoche der Romanik dauerte in Italien etwa von 1060 bis 1250/1280. Die romanische Baukunst verbreitete sich vor allem in der Lombardei, die neben Burgund und dem Rheinland zum wichtigsten Land für die Entwicklung dieses Stils wurde. Das Bürgertum der oberitalienischen Städte spielte dabei als Auftraggeber schon eine zentrale Rolle. Die Epocheneinteilung in Romanik und Gotik wird der italienischen Kunstgeschichte nicht in gleichem Maße wie der französischen oder deutschen Kunst gerecht. Insbesondere die Übergangsperiode des 13. Jahrhunderts kann als durchaus eigene Epoche angesehen werden.

Architektur

Charakteristisch für die sakrale Baukunst der italienischen Romanik ist die Einheit von Architektur, Fassadenschmuck (Marmorinkrustationen und Skulpturen), Bauornamentik, Mosaik und Innenausstattung, vor allem aber die Gestaltung der Fassade als Schauwand ohne Bezug zum dahinterliegenden Baukörper waren typisch. Richtungweisend für die romanische Baukunst der Lombardei war die Kirche Sant’Ambrogio (um 1030 bis 1170) in Mailand: Die dreischiffige Basilika mit Emporen findet ihren östlichen Abschluss in drei gestaffelten Apsiden; im Westen ist ein als Arkadenhof angelegtes Atrium vorgelagert. Ein Querhaus fehlt, und daher ist auch keine Vierung ausgeschieden; das Mittelschiff ist gegenüber den Seitenschiffen nur leicht erhöht (eine so genannte Staffelhalle) und in vier quadratische Joche gegliedert, es besitzt für seine Zeit neuartige Kreuzrippengewölbe (siehe Bogen und Gewölbe). Das letzte Joch vor der Mittelapsis wird durch eine Tambourkuppel überhöht; das Licht kann nur durch die drei großen Bogenfenster der Westfassade und durch die Fenster der Kuppel eindringen, während das Langhaus fensterlos geblieben ist. Die beiden flankierenden, mit dem Bau verbundenen Türme stammen aus den Jahren um 840 bzw. um 1130/1140. In der Bedeutung ist mit diesem Bau nur San Michele (begonnen nach 1117, fertig gestellt vor 1155) in Pavia vergleichbar. Diese Krönungskirche der Langobarden wurde mit ihrem Grundriss und der Zwerggalerie der westlichen Fassade zum Vorbild vieler Kirchen Norditaliens, so der Dome von Cremona, Modena, Parma und Piacenza.

Im Einflussbereich eines anderen Kulturkreises, nämlich der byzantinischen Kunst, entstand eines der berühmtesten Bauwerke Italiens aus dieser Epoche: der 1063 begonnene und 1094 geweihte Markusdom (Basilica di San Marco) in Venedig, der in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts anstelle der alten, durch Feuer zerstörten Markuskirche aus dem 9. Jahrhundert errichtet wurde. Der namentlich nicht bekannte Baumeister orientierte sich bei seiner Planung an der Apostelkirche in Konstantinopel, erweiterte das Schema jedoch in eigenständiger Weise. San Marco ist ein Zentralbau vom Typus der Kreuzkuppelkirche, der Grundriss stellt ein griechisches Kreuz dar. Die Vierung ist durch eine Zentralkuppel überhöht, und die vier Kreuzarme tragen ebenfalls je eine Kuppel. Die Kuppeln waren zunächst als Flachkuppeln angelegt und wurden seit 1204 durch Außenkuppeln ausgebaut. Sie erheben sich über Tambouren mit Fensteröffnungen und sind von zwiebelförmigen Laternen bekrönt. Die Pracht der Innenräume verdankt sich der vollständigen Auskleidung mit Mosaiken, die aus verschiedenen Jahrhunderten stammen und vor allem von byzantinischen Künstlern geschaffen wurden. Die Fassade wurde nach 1419 im gotischen Stil u. a. mit Spitztürmen dekorativ ausgebaut; die vier Bronzepferde waren eine Beute der Kreuzritter und wurden 1205 aus Konstantinopel nach Venedig gebracht (siehe Kreuzzüge).

Im selben Jahr (1063) wie in Venedig wurde auch in Pisa mit dem Bau eines Doms (Santa Maria Assunta) begonnen. Zusammen mit dem Baptisterium und dem Campanile entstand hier bis etwa 1350 ein Ensemble mit bemerkenswert einheitlichem Stil. 1174 begann der Baumeister Bonanus mit dem Bau des Campanile auf kreisförmigem Grundriss, der frei stehend neben dem Dom errichtet wurde. Nach etwa zehn Jahren Bauzeit waren drei Geschosse fertig gestellt, und es machte sich bereits ein Einsinken des Turmes in den feuchten, instabilen Untergrund aus Kies und Sand bemerkbar. Nach 100 Jahren war der Turm schon einseitig um 28 Zentimeter eingesunken. Die stetig zunehmende Schieflage konnte bis heute weder durch bauliche Ausgleichsversuche (wodurch der Turm eine Krümmung erhielt) noch durch Sanierungen des Fundamentes aufgehalten werden. Der Schiefe Turm von Pisa wurde zum weltberühmten Wahrzeichen der Stadt. Dieses Gebäudeensemble zeigt auch die für die Baukunst der Toskana typischen Marmorinkrustationen. Bedeutende Beispiele hierfür stellen auch das Baptisterium und San Miniato (1018 bis 12. Jahrhundert) in Florenz dar. Für diesen Baustil prägte Jacob Burckhardt den Begriff Protorenaissance; er wird heute für Stilrichtungen des italienischen Mittelalters in Architektur und Bildhauerei verwendet, die sich von antiken Vorbildern anregen ließen. Diese Hinwendung zur (römischen) Antike wurde im 13. Jahrhundert vor allem von Friedrich II. in Unteritalien gefördert; von dort brachte sie später Nicola Pisano wieder in die Toskana. Das oktogonale Baptisterium (Battistero San Giovanni) geht auf eine vorromanische Anlage zurück. Es ist strittig, ob die Mauern, die sich unter der Marmorverkleidung verbergen, noch von dem ersten Bau aus dem 7. Jahrhundert oder von einem Neubau des 10. bzw. 11. Jahrhunderts stammen. Um 1060 wurde ein Grundstein für die heutige Kirche gelegt, um 1150 war der Bau fertig gestellt, im 12./13. Jahrhundert wurde er mit hellem und dunklem Marmor verkleidet.

Rom erlebte während des Mittelalters einen politischen, sozialen und auch kulturellen Tiefstand, blieb gleichwohl das verehrte „Haupt der Welt” (caput mundi) und Ziel eines nicht abreißenden Stromes von Pilgern. An neuen Bauten bestand aber in der Stadt aufgrund der geschrumpften Bevölkerung kaum Bedarf. Bei Neubauten wie der Kirche San Clemente wurde bevorzugt auf Stilelemente der frühchristlichen Kunst zurückgegriffen. Erwähnenswert aber sind die dekorativen Künste der Cosmaten genannten Handwerkerfamilien, die Marmorinkrustationen und Mosaikintarsien schufen, z. B. im 1240 vollendeten Kreuzgang der Basilika San Giovanni in Laterano und die Chorschranken in San Clemente (um 1110 bis 1130). Auf Sizilien und in Süditalien entstand im frühen Mittelalter ein sarazenisch-normannischer Mischstil, zu dem als weiteres Element der byzantinische Einfluss trat und der nachhaltig auf die spätere Gotik einwirkte. Der Dom von Monreale bei Palermo (1172-1189) ist im Inneren mit Mosaiken und außen mit Bauschmuck reich ausgestattet; auffallend sind die aus der islamischen Architektur stammenden Spitzbögen der Arkaden des Kreuzgangs. Ein anderes arabisches Stilelement, eine Stalaktitendecke, findet sich in der prachtvoll dekorierten Hofkapelle in Palermo (Cappella Palatina; 1140 geweiht), die reich mit byzantinischen Mosaiken ausgekleidet ist. Einflüssen der normannischen Romanik verdankt sich die Anlage der Kathedrale von Cefalù (1131-1240).

Im Bereich der profanen Architektur entstanden während der Romanik Burgen und Paläste (Palazzi). Die so genannten Geschlechtertürme zeugen in vielen Städten von den Fehden und Kleinkriegen der Adelssippen, so in Bologna und in San Gimignano. In Apulien ließ sich 1240 Friedrich II. das Schloss Castel del Monte erbauen. Der ungewöhnliche Bau steht auf einem regelmäßig-achteckigen Grundriss, wobei die Ecken jeweils von ebenfalls achteckigen Türmen eingenommen werden.

Bildhauerei

Die Wirkungsmöglichkeiten der romanischen Bildhauerei waren noch vollständig an die Architektur gebunden. Ausschließlicher Auftraggeber war die Kirche. Insgesamt entfaltete sich die romanische Plastik Italiens nicht im gleichen Maße wie in Frankreich und Deutschland, allerdings sind im Unterschied zu diesen Ländern in Italien die Namen einiger Künstler überliefert. Ihr Betätigungsfeld war weniger der Schmuck von Fassaden und Portalen als vielmehr die Ausstattung der Kirchen mit Kanzeln, Taufbecken, Altarschranken und Bronzetüren. Wie in der Baukunst existierten auch in der Bildhauerei auf italienischem Boden gleichzeitig verschiedene Kunstlandschaften mit unterschiedlichen Stilen. Vor allem die Bildhauermeister aus Como genossen einen Ruf, der ihnen weithin in Europa Aufträge verschaffte.

Ein Meister Wiligelmus signierte gegen 1120 die Reliefs am Dom in Modena, die die Schöpfungsgeschichte darstellen. Benedetto Antelami ist in den Jahrzehnten um 1200 nachweisbar; von ihm stammen die Kreuzabnahme (1178) im Dom von Parma und die Figuren im Architrav des Portals am Baptisterium in Parma, von denen einige die ersten beinahe frei stehenden Figuren der italienischen Kunstgeschichte sind. Bonanus von Pisa, der auch den Campanile (siehe oben) erbaute, schuf Bronzetüren mit Reliefdarstellungen für den Dom in Pisa (1180), von denen hier zwei erhalten sind, sowie für den Dom in Monreale bei Palermo (1186, siehe oben). Der herausragende Bildhauer an der Schwelle von der romanischen zur gotischen Epoche war Nicola Pisano. Sein Hauptwerk ist die Kanzel (1260) des Baptisteriums in Pisa. Mit seinem Aufgreifen antiker Motive und Formen ist er einer der bedeutendsten Vertreter der Protorenaissance in der Bildhauerei. Weitere charakteristische Beispiele für diesen Stil sind die Kanzel von San Miniato in Florenz und das Taufbecken des Baptisteriums in Pisa.

Bedeutende Werke, in erster Linie liturgische Geräte, brachte auch die Goldschmiedekunst (siehe Metallarbeiten), die Elfenbeinschnitzerei und Emailkunst hervor.

Malerei

Mosaik, Fresko, Buchmalerei und zunehmend auch die Tafelmalerei waren die Gattungen der romanischen Malerei. Von dem Reichtum dieser Kunst ist aber nur weniges bis heute erhalten geblieben. Die Zentren der Mosaikkunst lagen in Rom (Apsismosaik in Santa Maria in Trastevere, um 1140), Venedig (Markuskirche), Sizilien (z. B. Apsismosaik Christus als Pantokrator im Dom von Monreale, 1176; Cappella Palatina in Palermo) sowie in der Toskana (Florenz, Kuppelmosaik des Baptisteriums aus dem 12. Jahrhundert). Besonders Rom konnte auf eine lange Tradition dieser Kunst zurückblicken und blieb klassischen Vorbildern treu, während Venedig und Sizilien vorwiegend den byzantinischen Stil übernahmen.

Besonders ungünstig ist der Erhaltungszustand bei der Wandmalerei, weil diese während der Romanik noch in der Technik des al secco ausgeführt wurde, bei der der Farbauftrag auf den trockenen Verputz der Wand erfolgte. Die haltbarere Technik des al fresco, also dem Malen auf feuchtem Putz, kam erst in der Gotik auf. Ein Großteil hat in Rom die Zeiten überstanden, z. B. in der Unterkirche von San Clemente oder in abseits gelegenen Kirchen, da die romanischen Bilder später übermalt und somit konserviert wurden, bis sie im 19. oder 20. Jahrhundert wieder durch Restaurationen zum Vorschein kamen. Bedeutende Wandmalereien aus dem 11. Jahrhundert sind etwa in Sant’Angelo in Formis bei Capua zu sehen; aus dem 13. Jahrhundert stammen die Bilder im Baptisterium von Parma. Mit der Wandmalerei stilistisch eng verwandt war die Buchmalerei. Im Bereich der Tafelmalerei ist aus dem 11. und 12. Jahrhundert ebenfalls wenig erhalten. Diese Gattung entwickelte sich im 12. Jahrhundert nur zögernd; ihr Aufschwung setzte erst nach 1200 ein. Als das älteste Tafelbild Italiens gilt ein aus dem 12. Jahrhundert stammendes Holzkruzifix in der Kathedrale von Sarzana in Ligurien. Der Gekreuzigte, die Leidensgeschichte und die thronende Madonna waren die häufigsten Themen der romanischen Malerei.

Berlinghieri da Lucca und sein Sohn Bonaventura (Heiliger Franziskus, 1235) vertraten einen linearen Stil mit starr stehenden, frontal gesehenen Figuren, während die in byzantinischer Tradition (Maniera bizantina, Maniera greca) stehenden Künstler den Gekreuzigten in gekrümmter Haltung zeigen, so Giunta Pisano (Der tote Christus am Kreuz, 1240). Coppo di Marcovaldo aus Florenz malte zwischen 1260 und 1274 anmutige Madonnenbilder, der so genannte Meister von San Martino hinterließ das Tafelbild einer Maestà aus den Jahren vor 1270. Eine folgende Generation von Künstlern, die in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts und um 1300 tätig war, steht vermittelnd zwischen Romanik und Gotik; man kann sie je nach Blickwinkel der einen oder anderen Epoche zuordnen. Zu diesen Künstlern zählen vor allem Cimabue, Pietro Cavallini und Duccio (siehe unten).

GOTIK

Die Gotik lässt sich in Italien von etwa 1250 bis 1420 datieren. Im 13. Jahrhundert (Duecento oder Dugento) vermischten sich noch die romanischen und byzantinischen Stiltraditionen mit den neuen gotischen Errungenschaften. Zu gleicher Zeit wurden die Künste von einer gotischen Mystik und Innigkeit wie auch von der klassisch-antiken Tradition geprägt.

Architektur

Die Aufsprengung der geschlossenen Wand durch Glasfenster und gliedernde Elemente – das wesentliche Merkmal der gotischen Baukunst – blieb der italienischen Kunst fremd. Sie orientierte sich weiterhin an klassischen Idealen, zu denen die Vorliebe für klare und schlichte Formen (und daher für Wandflächen) gehörte. Ähnliches gilt für andere architektonische Formelemente. Die Entwicklungslinie von der byzantinisch beeinflussten Romanik zur Frührenaissance ist ausgeprägter als der gotische Einschlag. Das einzige Bauwerk, das in Italien der Gotik Frankreichs und Deutschlands vergleichbar ist, blieb der Mailänder Dom (Santa Maria Nascente, begonnen um 1386), an dem Baumeister aus der Lombardei, aus Frankreich und Deutschland wirkten. Um den Bau entbrannten leidenschaftliche Dispute, die vollständig dokumentiert sind. Die Bautätigkeit setzte sich über Jahrhunderte fort, Baumeister der Renaissance und des Barock griffen ein (Entwurf der Fassade von Pellegrino Tibaldi, 1567), und erst im 19. Jahrhundert konnte das Werk weitgehend abgeschlossen werden.

In gotischer Zeit entstanden die Dome in Florenz, Siena und Orvieto, aber auch viele bedeutende Klosterkirchen abseits der Städte. Erste gotische Stilelemente wie das Rippengewölbe brachten die Zisterzienser aus Frankreich nach Italien – etwa bei den Abteikirchen von Fossanova (1187-1208), von Casamari (1203 begonnen, 1217 geweiht) und San Galgano (1224-1288, bei Siena, heute Ruine). Stilistisch waren aber vor allem die Bettelorden der Franziskaner und Dominikaner von entscheidendem Einfluss. Mit der Grabkirche des Franz von Assisi (San Francesco) und der Grabkirche des heiligen Antonius in Padua wurde 1228 begonnen. Letztere zeigt einige gotische Bauteile. Die Oberkirche (1235 geweiht) in Assisi dagegen war der erste rein gotische Bau Italiens. San Francesco ist mit Fresken von Cimabue, Pietro Cavallini, Giotto, Simone Martini und Pietro Lorenzetti geschmückt (siehe unten).

In Florenz wurde mit dem Bau des Florentiner Doms nach einem Entwurf von Arnolfo di Cambio 1296 begonnen. Nach Arnolfos Tod 1302 stockte die Bautätigkeit. Giotto, seit 1334 Dombaumeister, entwarf den Campanile, mit dessen Bau im selben Jahr begonnen wurde und der 1355 vollendet war. 1357 nahm man die Bautätigkeit nach Plänen von Francesco Talenti (1300-1376) wieder auf, nach 1367 wurde sie nach neuen Plänen von Andrea Orcagna fortgesetzt. Die von Filippo Brunelleschi konstruierte Kuppel gehört bereits zu den großen Werken der Frührenaissance. Arnolfo di Cambio soll auch am Bau der Franziskanerkirche Santa Croce (1252-1413) beteiligt gewesen sein, die statt eines Gewölbes einen offenen Dachstuhl besitzt. Mit dem Bau der Dominikanerkirche Santa Maria Novella wurde 1250 begonnen. Florentinische Profanbauten sind der trutzige, mit Rustika versehene Palazzo Vecchio (begonnen 1299, vollendet um 1314) und die Loggia dei Lanzi (1376-1382, Loggia).

Der Dom von Siena (Maria Assunta) wurde nach 1150 romanisch begonnen. In der Mitte des 13. Jahrhunderts wurde er gotisch weitergebaut, nach 1264 entstand die Kuppel, 1284 entwarf Giovanni Pisano die prachtvolle Fassade, nach 1340 setzte man nochmals zu einer weit reichenden gotischen Umgestaltung an, doch blieb der Dom unvollendet. Das Stadthaus (Palazzo Pubblico, 1297-1348) mit seinem schlanken Turm gehört zu den bedeutendsten Profanbauten der italienischen Gotik. In Bologna wurde nach Plänen von Antonio di Vicenzo 1390 in einem rein gotischen Stil mit dem Bau des Doms San Petronio begonnen, dessen Gewölbe aber erst im 17. Jahrhundert fertig gestellt wurden. In Venedig zeigen die Franziskanerkirche Santa Maria Gloriosa dei Frari und die Dominikanerkirche Santi Giovanni e Paolo, beide aus dem 14. Jahrhundert, die Vorliebe der italienischen Bettelorden für weiträumige Kirchenbauten. Venezianische Profanbauten sind der Dogenpalast (begonnen 1309) und die spätgotische Ca’d’Oro (1421-1440) am Canal Grande.

Der einzige gotische Kirchenbau Roms blieb die Dominikanerkirche Santa Maria sopra Minerva (begonnen um 1280).

Bildhauerei

Nicola Pisano stand als Bildhauer an der Wende von der Romanik zur Gotik. Er und sein Sohn Giovanni waren die maßgeblichen Bildhauer in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Nicola brachte aus seiner Heimat Apulien ein neues Interesse an der Antike mit und vertrat den Stil der Protorenaissance, der sich deutlich an seinem Hauptwerk, der berühmten Kanzel von 1260 im Baptisterium in Pisa, erkennen lässt. Hier ließ sich Nicola u. a. von römischen Sarkophagen anregen. Zusammen mit seinem Sohn Giovanni und anderen Bildhauern schuf er von 1266 bis 1268 die Domkanzel in Siena und bis 1278 den Stadtbrunnen in Perugia. Giovanni war Dom- und Stadtbaumeister in Siena und Pisa. In Siena schuf er bis 1297 Figuren für die Fassade des Doms. Von ihm stammen die Kanzeln für Sant’Andrea in Pistoia (1301) und im Dom von Pisa (1312). In Pisa arbeitete er am Baptisterium und setzte den Bau des nun schon schiefen Campanile fort (Schiefer Turm von Pisa). Arnolfo di Cambio, Schüler von Nicola Pisano, war Bildhauer und Baumeister. Auch er verschmolz Einflüsse der Antike und der Gotik zu einem eigenen Stil. Andrea da Pontedera (um 1270 bis 1348), der sich Pisano nannte – mit der Bildhauerfamilie Pisano aber nicht verwandt war –, schuf zwischen 1330 und 1336 die erste Bronzetür des Baptisteriums in Florenz mit ihren 28 Relieffeldern. 1337 wurde Andrea als Nachfolger Giottos Dombaumeister in Florenz und arbeitete am Campanile, den er mit mehreren Reliefs schmückte. In seinen letzten Lebensjahren war er Dombaumeister in Orvieto. Aus Siena stammten Lorenzo Maitani (gestorben 1330), der von 1309 bis zu seinem Tod am Dom von Orvieto die Fassade mit dem plastischen Schmuck schuf, und Lando di Pietro (gestorben 1340), der als Goldschmied und Bildschnitzer arbeitete und als Baumeister am Umbau des Doms von Siena beteiligt war. Andrea Orcagnas Hauptwerk als Bildhauer ist der 1359 vollendete Tabernakel in Or San Michele in Florenz; er war außerdem Baumeister, Maler und Goldschmied.

In Florenz fand 1401 ein großer Wettbewerb für die zweite Tür des Baptisteriums statt. Dieser Wettbewerb markiert in der Bildhauerei das Ende der gotischen Epoche. Die beteiligten Künstler, u. a. Iacopo della Quercia, Francesco da Valdambrino (1363-1435), Filippo Brunelleschi, Donatello und Lorenzo Ghiberti (der als Sieger hervorging), standen bereits an der Schwelle zur Frührenaissance.

Malerei

Die neue Generation von Künstlern mit Vertretern wie Cimabue, Pietro Cavallini oder dem aus Siena stammenden Duccio di Buoninsegna leitete von der romanischen zur gotischen Kunst über. Sie setzte sich noch mit der byzantinischen Tradition auseinander, diese zu größerer persönlicher Freiheit in Ausdruck und Gefühl führend. Duccio verwirklichte dies in seinen Hauptwerken wie der Madonna Rucellai von 1285 und dem Marienaltar mit der Maestà, 1311 vollendet. Der Florentiner Maler Cimabue schuf im Baptisterium seiner Heimatstadt die Szenenfolge aus dem Leben des heiligen Joseph und war außerdem in Assisi, Rom und Pisa tätig. Der aus Rom stammende Pietro Cavallini schuf Fresken (Jüngstes Gericht, 1293, in Santa Cecilia in Trastevere, Rom) und vor allem Mosaiken (Geschichte der Heiligen Jungfrau, um 1291, in Santa Maria in Trastevere). Erst Giotto löste sich endgültig von starren byzantinischen Formschemata und stellte seine Figuren in realistisch gesehene Räume, deren perspektivische Tiefe schon auf die Linearperspektive der Frührenaissance verwies. Mit diesen Malern traten in Europa erstmals historisch erfassbare Künstlerpersönlichkeiten auf, während sich das Kunstgeschehen in den anderen europäischen Ländern noch weitgehend anonym abspielte.

Jacopo Torriti war Mosaikkünstler und Maler; von ihm stammen die beiden Apsismosaiken in San Giovanni in Laterano (Pantokrator, 1291, gemeinsam mit Fra Jacopo da Camerino) und in Santa Maria Maggiore (Krönung Mariens, 1295), beide in Rom. Die Hauptvertreter der Sieneser Schule in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts waren Simone Martini, dessen Meisterwerk eine Verkündigung von 1333 ist, sowie die Brüder Pietro und Ambrogio Lorenzetti. In Florenz führten Bernado Daddi und Taddeo Gaddi die Tradition Giottos weiter. Zu den Meistern der Spätgotik gehörten Gentile da Fabriano, Masolino und Antonio Pisano, genannt Pisanello, der mit seinem phantastisch ausformulierten Meisterwerk Der heilige Georg befreit die Prinzessin von Trapezunt (um 1436) bereits auf die Frührenaissance verweist.

RENAISSANCE

Die italienische Renaissance spielte für die europäische Kunstgeschichte eine wichtige, wenn nicht die zentrale Rolle. Mit dieser Epoche begann nicht nur in den Künsten die Neuzeit. Alle weiteren künstlerischen Entwicklungen der folgenden Zeit bis ins 19. Jahrhundert bezogen sich mehr oder weniger – nachahmend, verändernd oder gegensteuernd – auf die Errungenschaften des 15. und frühen 16. Jahrhunderts. Die Renaissancekunst entwickelte in Italien ein neues und unerschütterliches Selbstbewusstsein, mit dem sie freilich auch verächtlich auf das in ihren Augen barbarische Mittelalter und seine Kunst herabblickte. Sie löste sich vom mittelalterlichen Weltbild und der Dominanz des Religiösen. Weltliche Interessen, Fragestellungen und Aufgaben traten gleichberechtigt neben religiöse, wobei allerdings weiterhin die sakrale Kunst im Mittelpunkt blieb. Hatten sich im Mittelalter die meisten Darstellungen weltlicher Wirklichkeit der religiösen Thematik unterzuordnen, so wurde jetzt das Jenseitige in der Sprache und den Bildern der physisch-irdischen Realität formuliert – und damit neue Widersprüche geschaffen, die es zu lösen galt. Wesentlich für den Geist der Renaissance wurde so die unbeirrte Hinwendung zur irdischen Wirklichkeit. In einer historisch einmaligen Verbindung von Kunst, Wissenschaft und Technik und mit einem unbedingten Vertrauen auf die Kraft des Verstandes (siehe Rationalismus) strebte man zur Erkenntnis der Welt und zu ihrer Beherrschung. Die Kunst wurde als ein den Wissenschaften ebenbürtiges Mittel der Erkenntnis verstanden.

Die wörtliche Übersetzung des aus dem Französischen kommenden Begriffs Renaissance (als Wiedergeburt) gibt den kulturhistorischen Sachverhalt nur ungenau wieder. Entscheidend war nicht so sehr die Wiederentdeckung der Antike, denn diese war über die Jahrhunderte in Italien immer mehr oder weniger gegenwärtig geblieben. In der italienischen Kunst des Mittelalters hatte es mehrmals „kleine Renaissancen”, so genannte Protorenaissancen, gegeben. Diese geistige und kulturelle Tradition, deren Wirkung bis in die Gegenwart spürbar ist, unterscheidet Italien von anderen europäischen Kunstlandschaften. Entscheidend war vielmehr die Erneuerung und Neubewertung dieser Tradition im Geiste des Humanismus. Eine Schlüsselrolle besaß dabei die Archäologie, die im Rom der Hochrenaissance eine erste Blütezeit erlebte. Die Kunst der Renaissance ist nicht denkbar ohne ihre Verbindung zur Naturbeobachtung. Das neue Interesse am Menschen ging einher mit Fortschritten vor allem der wissenschaftlichen Anatomie, die, lange verboten, z. B. in Padua an der dortigen Universität zunächst heimlich betrieben werden musste.

Eine zentrale Bedeutung kam aber insbesondere der Entdeckung der streng konstruktiven Perspektive in der Malerei und beim Relief zu. Als erstes Werk mit einer wissenschaftlich korrekten Linearperspektive gilt das Relief des heiligen Georg in Or San Michele um 1416 von Donatello. In der Malerei verwirklichte Masaccio als Erster dieses Prinzip, doch muss auch Filippo Brunelleschi zum Kreis der Erfinder gerechnet werden. Die Artikel Renaissance, Renaissancekunst und Manierismus geben detaillierte Überblicke der Epoche; die folgenden Ausführungen beschränken sich daher auf kurze Einführungen und mehr oder weniger summarische Verweise auf die Künstlerbiographien.

Frührenaissance

Die italienische Frührenaissance entwickelte sich zwischen 1400 und 1500; sie wird daher in Italien als Quattrocento bezeichnet. In den ersten Jahrzehnten wirkten noch gotische Stileinflüsse nach. Wichtigster Vorläufer und Wegbereiter war Giotto. Die Frührenaissance blühte vor allem in den Städten der Toskana auf, allen voran in Florenz, das während des Quattrocento seine künstlerische Blütezeit erlebte.

Bildhauerei

Nachdem das Mittelalter die Skulptur vernachlässigt hatte, stand die Bildhauerei nun wieder gleichberechtigt neben der Malerei und Architektur. Dies stellte nicht nur einen Rückgriff auf die Antike dar; die vollplastische Figur bot auch die beste Möglichkeit zur realistischen Darstellung des menschlichen Körpers. Im mittelalterlichen Relief war die Darstellung des Menschen in eine komplizierte, beziehungsreiche Komposition eingebunden gewesen. Die frei stehende Figur des Menschen in der Frührenaissance ist Ausdruck seiner neuen Rolle: Er steht im Mittelpunkt, ruht in sich selbst und bedarf keiner Rechtfertigung von außen. Infolgedessen ahmte jetzt sogar die Malerei die Bildhauerei nach, was besonders deutlich an Paolo Uccellos überlebensgroßem Reiterstandbild im Dom von Florenz (1436) und Andrea Mantegnas Heiligem Sebastian (um 1460) erkennbar ist.

Der Wettbewerb von 1401 um die zweite Türe des Baptisteriums von Florenz (siehe oben) gilt im Allgemeinen als der Beginn der neuen Zeit in der Bildhauerei. Als Sieger ging Lorenzo Ghiberti hervor, der von 1425 bis 1452 auch die dritte Baptisteriumstür schuf; ihr Name (Paradiestür) geht auf Michelangelo zurück. Donatello avancierte zum maßgeblichen Bildhauer seiner Epoche, u. a. als Erfinder der Linearperspektive. Weitere bedeutende Bildhauer der italienischen Frührenaissance waren Nanni di Banco, Iacopo della Quercia, Luca della Robbia, die Brüder Bernado und Antonio Rossellino, Mino da Fiesole, Desiderio da Settignano, Antonio Pollaiuolo, Andrea del Verrocchio, Pietro Lombardo und Benedetto da Maiano (1442-1497).

Malerei

Masaccios Fresko Die heilige Dreifaltigkeit, 1426/27 in Santa Maria Novella in Florenz gemalt, ist das erste Gemälde mit einer mathematisch exakt konstruierten Linearperspektive. Es wird als Beginn der italienischen Malerei der Frührenaissance angesehen. Zu den bedeutendsten Malern der italienischen Frührenaissance gehören Andrea del Castagno, Francesco Squarcione (1394-1474), Paolo Uccello, Fra Angelico, Jacopo Bellini und seine Söhne Gentile Bellini und Giovanni Bellini, Domenico Veneziano, Fra Filippo Lippi, Antonio Vivarini (um 1415 bis 1474/84) und sein Bruder Bartolomeo (um 1432 bis um 1499) sowie Antonios Sohn Alvise Vivarini (um 1445 bis 1503/05), Piero della Francesca, Benozzo Gozzoli (um 1420 bis 1497), Antonio und Piero Pollaiuolo, Antonello da Messina, Cosmé Tura, Andrea Mantegna, Melozzo da Forli (1438-1494), Luca Signorelli, Sandro Botticelli, Perugino, Domenico Ghirlandaio, Vittore Carpaccio und Palma il Vecchio.

Architektur

Dem neuen Rationalismus war auch die Architektur der Renaissance verpflichtet. Sie fand ihre Vorbilder in der römischen Antike und bevorzugte klare Formen und eindeutige Funktionen der Bauteile. Für die Frührenaissance sind noch eine gewisse Zartheit charakteristisch sowie eine Vorliebe für Schmuckformen, die aber ganz der Oberfläche verhaftet blieben; beliebt waren z. B. graphische Wandgliederungen. Die Renaissance stellte das Ideal über den Nutzen und den Zweck. So wenig sich der Zentralbau für den Gottesdienst eignet, so unpraktisch ist auch der italienische Palazzo für Wohnzwecke. Das Aufblühen der Architekturtheorie in dieser Epoche rundet das Bild ab. Der maßgebliche Architekturtheoretiker der Frührenaissance war der Baumeister Leon Battista Alberti.

Als das die Epoche einleitende Ereignis gilt die Errichtung der Kuppel des Florentiner Doms von 1418 bis 1436 durch Filippo Brunelleschi. Seine achteckige Kuppel erhebt sich über einem Tambour, der auf jeder Seite durch ein großes Rundfenster durchbrochen wird. Nach Brunelleschis Plänen entstand später auch die abschließende Laterne. Im Sinne eines Rückgriffs und einer Erneuerung der Antike wandte sich die Frührenaissance wieder dem Typus der Basilika zu. Tatsächlich orientierten sich die Baumeister aber zumeist an Formen der romanischen Protorenaissance, so Brunelleschi bei seiner 1436 begonnenen Basilika Santo Spirito in Florenz. Alberti schuf mit Sant’Andrea (um 1470) in Mantua den Prototyp einer Wandpfeilerkirche. Ein neu erwachtes Interesse galt auch dem Zentralbau, der zu einer bevorzugten Bauidee der Hochrenaissance wurde. Brunelleschi entwarf nach 1434 Santa Maria degli Angeli als achteckigen Zentralbau, der aber unvollendet blieb.

Neben der Sakralarchitektur entwickelte sich nun gleichberechtigt die Profanarchitektur, vor allem in der bürgerlichen Palast- (Palazzi) und Villenarchitektur. Zentren waren während der Frührenaissance die Toskana, insbesondere Florenz, sowie Venedig. Beispielhaft zeigt der von Benedetto da Maiano (1442-1497) erbaute Palazzo Strozzi (1489-1536) in Florenz die charakteristischen Merkmale: eine blockhaft-kubische, dreigeschossige Form mit Innenhof; die unterhalb der Fensterbrüstung verlaufenden Gurtgesimse und ein monumentales Kranzgesims als oberer Abschluss der Fassaden betonen die Waagerechte; typisch sind auch Rustika, Keilsteinbogen über dem Portal und rundbogige Doppelfenster. Alberti gliederte die Fassade des Palazzo Rucellai (1446-1451) in Florenz mit Pilastern; erstmals seit der Antike standen hier wieder drei Säulenordnungen (dorisch, ionisch, korinthisch) übereinander. Beim Palazzo Vendramin-Calergi (um 1500) in Venedig öffnet sich die Fassade durch große Fenstergruppen. Prinzipiell ist der italienische Palazzo der Renaissance ganz auf die repräsentative Außenansicht hin angelegt, der Wohnzweck ist nebensächlich.

Weitere Baumeister der Frührenaissance waren Michelozzo di Bartolommeo, Antonio di Pietro Averlino, genannt Filarete, die Brüder Bernado und Antonio Rossellino, Luciano Laurana, Francesco di Giorgio Martini, Donato Bramante, die Brüder Giuliano und Antonio da Sangallo der Ältere sowie Pietro Lombardo.

Hochrenaissance und Manierismus

Zu den Eigentümlichkeiten der italienischen Kunst gehört das Ideal des universalen Künstlers (Uomo universale), der inhaltlich wie technisch in möglichst vielen Sparten der Kunst alles Erreichbare seiner Zeit beherrscht und der Epoche seinen Stempel aufdrückt. Ein solcher Künstler war schon Giotto gewesen. In der Hochrenaissance traten mit Leonardo da Vinci, Michelangelo Buonarroti und Raffael gleich drei dieser universalen Künstler gleichzeitig auf. Sie ließen die kurze Periode der Hochrenaissance (etwa 1490 bis 1510/20, in den Jahrzehnten bis zur Jahrhundertmitte ging die Hochrenaissance allmählich in den Manierismus über) zu einem Kulminationspunkt der europäischen Kunstgeschichte werden. Der Maler und Baumeister Giorgio Vasari schrieb mit seiner erstmals 1550 erschienenen Sammlung von Künstlerbiographien der Zeit von Cimabue und bis zu Vasaris Zeitgenossen Tizian (Le vite de’più eccellenti Architetti, Pittori ed Scultori Italiani; Lebensbeschreibungen der ausgezeichnetsten Maler, Bildhauer und Architekten der Renaissance) die erste Kunstgeschichte der Renaissance und ein bis heute unerlässliches Quellenwerk dieser Epoche.

Die Einteilung der Kunst des 15. Jahrhunderts in Hochrenaissance und Spätrenaissance bzw. Manierismus sowie die Abgrenzung zum darauf folgenden Barock war und ist in der wissenschaftlichen Kunstgeschichte umstritten; tatsächlich gehen diese Stilperioden in komplizierter Weise ineinander über. Wesentlich sind dabei oftmals weniger formale Unterschiede als vielmehr die dahinterstehenden Geisteshaltungen – was allgemein für kunsthistorische Epocheneinteilungen gilt, hier aber besonders problematisch ist.

Florenz verlor nun seine führende Stellung als Kunststadt an Rom. Weitere Zentren waren die Städte Norditaliens (Bologna, Mantua, Verona, Vicenza). In der Malerei erreicht Venedig eine führende Rolle (venezianische Malerei).

Malerei und Bildhauerei

Die alles überragenden Persönlichkeiten der Epoche waren Leonardo, Michelangelo und Raffael. Zu den bedeutenden Malern der Hochrenaissance und der Spätrenaissance bzw. des Manierismus zählen außerdem Perugino, Pinturicchio, Fra Bartolomeo, Antonio Bazzi, genannt Sodoma, Lorenzo Lotto (um 1480 bis 1556), Andrea del Sarto, Correggio, Iacopo da Pontormo, Rosso Fiorentino, Parmigianino, Francesco Primaticcio, Bronzino und Giuseppe Arcimboldo. Bedeutende Bildhauer des Manierismus waren der Goldschmied Benvenuto Cellini und Giovanni da Bologna.

In der venezianischen Malerei sind neben dem schon erwähnten Giovanni Bellini vor allem Tizian, Giorgione, Pordenone, Sebastiano del Piombo und Palma il Vecchio zu nennen. Zur Periode des Manierismus gehören in Venedig Iacopo Bassano, Tintoretto, Paolo Veronese und Jacopo Palma il Giovane (1544-1628).

Architektur

Die Vorliebe der Frührenaissance für eine reiche Architekturornamentik tritt in der Hochrenaissance zurück, organische Schmuckformen machen abstrakten Formen Platz. Ornamentale Leitformen der Spätrenaissance und des Manierismus sind das Rollwerk, das Muschelwerk und die Groteske. Im Zentralbau sah die Hochrenaissance die ideale Architektur; Pate stand das römische Pantheon. Beispielhaft zeigt sich die Idee in Sankt Peter in Rom (siehe Petersdom): Der Entwurf stammte von Donato Bramante; er begann den Bau 1506, fortgeführt und verändert wurde er nach 1547 von Michelangelo und Giacomo della Porta (um 1540 bis 1602). Skizzen für Zentralbauten stammen auch von Leonardo, der aber keine Bauten ausführte; Raffael wählte eine entsprechende Idealarchitektur als Hintergrund in seinem Gemälde Verlobung Mariäs von 1504. Bramante verwirklichte 1502 mit dem Tempietto im Klosterhof von San Pietro in Montorio in Rom einen reinen Zentralbau.

Andrea Palladio begründete eine Architekturrichtung, den so genannten Palladianismus, der von weit reichender Bedeutung für die weitere Entwicklung der europäischen Baukunst wurde, so für die französische und englische Architektur. Er baute vor allem Palazzi und Villen (Villa Rotonda, Vicenca, um 1550). Um 1550 führte er für die Gliederung von Palastfassaden die Kolossalordnung ein. Weitere Baumeister des 15. Jahrhunderts waren Sebastiano Serlio, Baldassare Peruzzi (1481-1536), Michele Sanmicheli (1484-1559), Antonio da Sangallo der Jüngere, Iacopo Sansovino, Giulio Romano, Giorgio Vasari, Giacomo da Vignola, Bartolomeo Ammanati, Galeazzo Alessi (1512-1572), Pellegrino Tibaldi (1527-1596), Giacomo della Porta (1537-1602), Annibale Vitozzi (1539-1615), Domenico Fontana und Vincenzo Scamozzi.

BAROCK UND KLASSIZISMUS

Das Zeitalter des Barock ist in Italien etwa von 1570/1600 bis 1780 anzusetzen, daran schließt sich von etwa 1750/80 bis 1830 der Klassizismus an. Der Barock griff im Wesentlichen auf das Formenvokabular der Hochrenaissance zurück, dieses zu größerer Dynamik und Dramatik in Ausdruck und Bewegung führend. Theatralik ist ein Grundzug des Barock. Wandte sich die Renaissance des 15. Jahrhunderts vorwiegend an den einzelnen Betrachter, so will die barocke Kunst Massen ansprechen: Vieles ist auf Fernsicht angelegt. Das rationale Empfinden wurde von einem emotionalen bis pathetischen Ausdruck abgelöst. Der Klassizismus ist als Gegenbewegung zum Barock zu verstehen; er tendierte zu einer klaren, kühlen, rationalen und statuarischen Kunst. Mit dieser Epoche begann der Niedergang der bildenden Kunst in Italien. Nach vielen glanzvollen Jahrhunderten führte die italienische Kunst nun für mehr als hundert Jahre ein Schattendasein, aus dem sie erst wieder zu Beginn des 20. Jahrhunderts heraustrat. Der Schwerpunkt der europäischen Kunst verlagerte sich nach Frankreich, insbesondere nach Paris (siehe französische Kunst und Architektur). Die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts erlebte einen Aufschwung der Kunst- und Altertumswissenschaften mit zahlreichen archäologischen Ausgrabungen und Entdeckungen. Johann Joachim Winckelmann wurde 1763 zum Oberaufseher über die römischen Antiken berufen.

Architektur

Mit der Architektur des Frühbarock behauptete Italien, insbesondere Rom, noch einmal seinen künstlerischen Führungsanspruch in Europa. Der hier entwickelte Stil strahlte vor allem auf die spanische Architektur (und von hier aus auf die lateinamerikanischen Länder), die schweizerische und die österreichische Architektur sowie auf die süddeutsche Kunst (siehe deutsche Kunst) ab. In diesen Ländern entwickelte sich dann der Stil auf eigenständige Weise weiter.

Den Anfang des Barock markiert der Bau von Il Gesù in Rom, der Mutterkirche des Jesuitenordens. Sie wurde von Giacomo da Vignola 1568 erbaut. Diese Kirche zeigt einige der für den barocken Kirchenbau charakteristischen Merkmale, darunter die Einheitlichkeit des Raumes, die Unterteilung der Seitenschiffe in kapellenartige Nischen, die untereinander kaum verbunden zum Mittelschiff orientiert sind und Seitenaltäre aufnehmen, das Tonnengewölbe über dem Mittelschiff, die Kuppel über der Vierung sowie Altäre, die als Teil der Architektur begriffen wurden. Die Entwicklung der Fassade zur prächtigen, reich gegliederten und geschmückten, gelegentlich kulissenhaften Schauwand war in der italienischen Tradition der Romanik schon angelegt. Im 17. Jahrhundert nahmen die Fassaden teilweise geschwungene Formen an, oder einzelne Teile traten vor oder zurück, so bei der von Carlo Rainaldi (1611-1691) und Francesco Borromini um 1655 erbauten Kirche Sant’Agnese in Rom. Prototypisch ist auch die von Borromini entworfene, in der Mitte konvex und in den Flanken konkav gebogene Fassade von San Carlo alle Quattro Fontane (1638-1641, Fassade nach 1665) in Rom. Monumentale Wirkung ermöglichte die neue Kolossalordnung, die schon Paladio verwendet hatte. 1614 wurde sie an Sankt Peter in Rom von Carlo Maderna (1556-1629) mit 27,5 Meter hohen Säulen verwirklicht.

Rom wurde zur Hauptstadt des barocken Architekturstils und mit seinen zahllosen barocken Kirchen, Platzanlagen, Freitreppen und Brunnen zum Inbegriff der Barockstadt. Neben Borromini arbeiteten hier u. a. Gian Lorenzo Bernini (Kolonnaden des Petersplatzes, 1656-1667) und Pietro da Cortona (1596-1669). In Venedig und Oberitalien war Vincenzo Scamozzi tätig, in Turin Guarino Guarini und Filippo Juvarra. Baldassare Longhena (1598-1682) schuf in Venedig mit der 1631 bis 1687 erbauten Kirche Santa Maria della Salute einen barocken Zentralbau mit mächtiger Kuppel, deren Tambour von acht riesigen, schneckenförmigen Voluten flankiert wird. Baumeister des Klassizismus waren z. B. Giuseppe Piermarini (1734-1808; in Mailand Palazzo Belgoioso, 1777, und Teatro della Scala, 1778), Giannantonio Selva (1751-1819; Teatro Fenice in Venedig, 1790), Giuseppe Valadier (1762-1839; Piazza del Popolo in Rom, geplant 1794, erbaut 1816-1820) und Pietro Bianchi (1787-1849; Kirche San Francesco di Paola in Neapel, 1817-1846). In der Spätphase des Klassizismus nach 1800 entstanden die Stadtanlagen von Turin und Triest.

Malerei

In der kunstgeschichtlichen Literatur werden gewöhnlich – etwas schematisch – zwei Richtungen der italienischen Malerei des 17. Jahrhunderts gegenübergestellt: die idealistische Tendenz der Carracci und ihrer Schule sowie die realistische Tendenz von Caravaggio und seinen Nachfolgern. Die Malerfamilie Carracci aus Bologna, vor allem Annibale Carracci, aber auch sein Bruder Agostino Carracci (1557-1602) und ihr Vetter Lodovico Carracci (1555-1619), überwanden den Manierismus und wurden für den Frühbarock schulbildend (Malerschule von Bologna). In ihrer Nachfolge standen Guido Reni (1575-1642), Francesco Albani (1578-1660), Domenichino und Guercino. Von außerordentlich großem Einfluss auf die spätere Malerei des Barock nicht nur in Italien, sondern auch in anderen europäischen Ländern, insbesondere in Spanien (spanische Kunst und Architektur) und in den Niederlanden (siehe niederländische Kunst und Architektur), war Caravaggio mit seinem manchmal derben Realismus und seiner Helldunkelmalerei (Chiaroscuro). Zu den unmittelbaren Nachfolgern Caravaggios gehörten Orazio und Artemisia Gentileschi, Bartolomeo Manfredi (um 1580 bis 1620) und Carlo Saraceni (etwa 1585 bis 1625). Ins Skurrile steigerte die Helldunkelmalerei später Alessandro Magnasco (1667-1749) mit seinen eigenwilligen und unverwechselbaren, meist nächtlich-düsteren Szenerien. Im Bereich von Druckgraphik und druckgraphischem Gestalten trat vor allem der Radierer und Kupferstecher Giovanni Battista Piranesi hervor.

In der venezianischen Malerei war Giovanni Battista Tiepolo die beherrschende Persönlichkeit des 18. Jahrhunderts. Giambattista Piazzetta (1682-1754) schuf vor allem Genreszenen und religiöse Bilder. Als Vedutenmaler wirkten Canaletto, Pietro Longhi (1702-1785) und Francesco Guardi. In Rom war u. a. der Freskenmaler Pietro da Cortona (1596-1669) tätig, ferner Giovanni Battista Salvi, genannt il Sassoferrato (1609-1685), Salvator Rosa (1615-1673) und Carlo Maratta (1625-1713). In Neapel arbeiteten Luca Giordano und Francesco Solimena (1657-1747).

Bildhauerei

Ein großer und universeller Künstler des Barockzeitalters war Gian Lorenzo Bernini; berühmt wurde er vor allem als Bildhauer und Baumeister, der wie kein Zweiter das barocke Rom prägte. Eines seiner bildhauerischen Hauptwerke ist die um 1650 geschaffene Altarskulptur Verzückung der Heiligen Teresa in der Kapelle Cornaro von Santa Maria della Vittoria. Die klassizistische Richtung der barocken Bildhauerei vertrat, ebenfalls in Rom, Alessandro Algardi. Der bedeutendste Bildhauer des Klassizismus in Italien war Antonio Canova. Er schuf die Grabmäler für die Päpste Klemens XIII. und Klemens XIV. sowie 1804 die Skulptur Pauline Borghese.

19. UND 20. JAHRHUNDERT

Mit dem Klassizismus war das italienische Kunstschaffen weitgehend erlahmt. Das 19. Jahrhundert brachte nur sehr wenige Künstler von internationalem Rang hervor. Erst mit dem Futurismus gewann Italien wieder Anschluss an die internationale Kunst.

Architektur und Design

Auch in Italien löste den Klassizismus ein repräsentativer Historismus ab, der Stilformen der Gotik, Renaissance und des Barock wieder aufgriff. Städte wie Florenz und Rom wurden modernisiert. Als Ingenieurbauten entstanden Passagen; in Neapel entwarf Ernesto Rocco die Galleria Umberto I. (1891), in Mailand Giuseppe Mengoni (1829-1877) die Galleria Vittorio Emmanuele (1867) in Renaissanceformen. Ebenso kombinierte Alessandro Antonelli (1798-1888) in seiner 168 Meter hohen Turiner Mole Antonelliana (1863-1880) auf originelle Weise die technischen Möglichkeiten der Ingenieurbaukunst mit architekturhistorischen Zitaten. Rückwärtsgewandt erscheint dagegen das monumentale Denkmal Vittorio Emanuele II. in Rom, entworfen von Giuseppe Sacconi (1854-1905).

Eine „rationale Architektur” propagierte die 1926 in Mailand gegründete Gruppo 7. Giovanni Micheluzzi (1891-1990) errichtete in diesem Stil z. B. den Bahnhof Santa Maria Novella (1933-1936) in Florenz. Pier Luigi Nervi baute eine ausgesprochen technisch orientierte Architektur (Flugzeughalle Orbetello, 1938). Der Faschismus förderte einen der Nationalsozialistischen Architektur vergleichbaren Monumentalstil, der z. B. von Marcello Piacentini vertreten wurde. In diesem Stil begann man mit dem Hauptbahnhof von Rom (Stazione Termini); fertig gestellt wurden jedoch nur die Flügelbauten. Die Fassade der Stirnseite mit der von einem gewellten Betonskelettdach gedeckten Eingangshalle konnte nach dem 2. Weltkrieg im modernen Stil gebaut werden (vollendet 1950; Architekten: Calini, Montuori u. a.). Unter den Architekten der Nachkriegszeit sind beispielhaft Carlo Scarpa zu nennen sowie Aldo Rossi, der den Ansatz der rationalen Architektur weiter verfolgte.

Im 20. Jahrhundert, vor allem nach dem 2. Weltkrieg, war Italien eine der maßgeblichen Nationen in den Bereichen Design und Mode. Stellvertretend hierfür stehen die Werke des Möbeldesigners Carlo Bugatti sowie der Modeschöpfer und Kostümbildner Giorgio Armani und Gianni Versace.

Bildende Kunst

Unter den italienischen Malern des 19. Jahrhunderts kann im internationalen Maßstab allein Giovanni Segantini als herausragend gelten. Er stand in seinem Spätwerk dem Symbolismus nahe. Rom war in der ersten Hälfte des Jahrhunderts Treffpunkt und Wirkungsort der Nazarener. Unter den Bildhauern des 19. Jahrhunderts ragten Lorenzo Bartolini (1777-1850), Giovanni Dupré (1817-1882) und vor allem Medardo Rosso heraus.

Der italienische Futurismus war eine der wegweisenden Revolutionen, die die moderne Kunst einleiteten. Dieser Bewegung gehörten Giacomo Balla, Umberto Boccioni, Luigi Russolo (1885-1947) und Gino Severini an. Carlo Carrà und Giorgio de Chirico standen zeitweilig dem Surrealismus nahe, den sie um die Variante der Pittura Metafisica (metaphysische Malerei) bereicherten. In diesem künstlerischen Umfeld bewegte sich auch Giorgios Bruder Andrea de Chirico (1891-1952), der sich 1912 den Künstlernamen Alberto Savinio zulegte. Amedeo Modigliani ist besonders durch seine Akte bekannt geworden. Von der Pittura Metafisica wurde auch Giorgio Morandi beeinflusst, der vor allem in erdigen Farben Still-Leben malte. Marino Marini orientierte sich als gegenständlich arbeitender Bildhauer bevorzugt an der antiken und etruskischen Plastik. Giacomo Manzù schuf vor allem Skulpturen mit religiöser Thematik. Giulio Turcato (*1912) versuchte sich als Maler innerhalb der Abstraktion in verschiedenen Stilen und trat auch als Bildhauer hervor (Skulpturengruppe Le Libertà, 1973/74). Einen sozialkritischen Neorealismus vertrat der Maler Renato Guttuso. Der in Venedig tätige Emilio Vedova ist ein bedeutender Vertreter des Abstrakten Expressionismus.

Der Bildhauer und Maler Lucio Fontana formulierte seine Theorie des Spazialismo, worunter er die Suche nach neuen Raumerfahrungen nicht nur in der Bildhauerei, sondern vor allem auch in der Malerei verstand. Bekannt wurde er für seine monochromen Leinwände (siehe Monochromie), die er zerschlitzte und perforierte, um ihnen räumliche Wirkungen zu verleihen (Concetto spaziale; Raumkonzept). Auch Alberto Burri (1915-1995) schuf Werke, die das Tafelbild zum Materialbild und Relief erweitern und so der Objektkunst nahe stehen. Mit seiner Verwendung einfacher, alltäglicher Materialien nahm er die Arte Povera vorweg. Piero Manzoni (1933-1963), führender Vertreter der europäischen Avantgarde um 1960, begann mit monochromen, strukturierten Bildern und ungefärbten, roh belassenen Leinwänden (Achromes); eine radikale Infragestellung des traditionellen Kunstbegriffs stellten seine Objekte und Aktionen dar, die in der Nähe der Fluxus-Bewegung standen. So schloss er seine eigene Atemluft, sein Blut und seine Exkremente in Dosen ein (Künstlerscheiße, 1961), stellte die Erde auf einen kopfstehenden Sockel für die Welt (1961) und erklärte Personen zu Lebenden Kunstwerken (1961), indem er sie signierte. Mit diesen Werken stand der früh verstorbene Manzoni auch in Verbindung zu der 1960 in Paris gegründeten Künstlergruppe der Nouveaux Réalistes (Neuer Realismus), zu deren Mitglied Mimmo Rotella gehörte, der so genannte Décollagen durch Abreißen von Plakaten schuf.

Mit der Arte Povera entstand in den sechziger Jahren eine eigenständige italienische Kunstströmung, die in Opposition zur internationalen Kunst der Pop-Art sich in komplexer Weise auch auf kulturelle Traditionen seit der Antike bezog, Impulse der Objektkunst, der Minimal Art und der Konzeptkunst variierte und häufig mit Naturmaterialien arbeitete. Zu dieser Bewegung gehörten zumindest zeitweilig Mario Merz, Giovanni Anselmo (*1934), der aus Griechenland stammende Iannis Kounellis, Luciano Fabro (*1936), Giulio Paolini, Gilberto Zorio (*1944), Giuseppe Penone (*1947) und Enzo Cucchi (*1949). Mit formal ähnlichen Mitteln griff Michelangelo Pistoletto (*1933) in seinen Werken auch politische Themen auf.

Der internationale Stil des so genannten Neoexpressionismus wird in Italien durch eine nationale Variante, die Transavanguardia, vertreten; ihr gehören Vettor Pisano (*1934), Sandro Chia (*1946), Mimmo Paladino und Francesco Clemente an. Der in Italien arbeitende Cy Twombly bezieht sich inhaltlich sehr stark auf antike Themen.

Quelle: Beitrag von: Wolfgang Blümel, Dipl.-Geol. "Italienische Kunst und Architektur," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2008



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