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Kampanien

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Kampanien

Man sagt, der neapoletanische Dialekt sei in der Welt bekannter als die italienische Sprache. Kein Wunder, denn Musik ist eine Universalsprache, die Wörter, die sie begleiten, sind leicht zu merken und die neapoletanischen Lieder sind weltweit berühmt. Wer hat nicht wenigstens schon einmal O sole mio gehört? Die besondere Ausbreitung des neapoletanischen Dialektes ist jedoch auch auf die Tatsache zurückzuführen, dass das Neapoletanische eigentlich kein Dialekt, sondern eine wirkliche Sprache ist, die eine sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelte, gefestigte, eigenständige Kultur vertritt.

Neapel ist eine bekannte, geliebte und vielbesuchte Stadt mit einem eigenen, ausgeprägten Charakter, eine Stadt, die jeden bezaubert und in ihren Bann zieht. Wie könnte es auch anders sein, wenn man der Schönheit des Meeres, dem Zauber der Geschichte, den sympathischen Leuten, den ausserordentlichen Architekturformen und -stilen, welche der Stadt ihren besonderen Charakter verleihen, begegnet?

Dieser besondere Zauber ist nicht nur in der Hauptstadt, sondern auch in der ganzen Region zu verspüren: auf den herrlichen Inseln (Capri, Ischia, Procida), entlang der wunderschönen Küste von Amalfi, in der prächtigen Reggia von Caserta, in Paestum (in der Provinz von Salerno*) und in den vielen anderen sehenswerten Orten von Kampanien. Nicht zufällig verliehen die Vorfahren diesem Land einst das Attribut felix.

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Kampanien: Kulturelles Erbe Grossgriechenlands

Kampanien ist nicht nur eine geschichtsträchtige Region in Süditalien. Ihre Ortsnamen gehen wie Musik ins Ohr

In Benevent schlägt das Herz der uralten Landschaft Campania, die heute, nach unendlichen Wirren und Kriegen, wieder so genannt wird, am lebendigsten. Im Gegensatz zu der belebten Küste herrscht hier noch die Ruhe einer süditalienischen Provinzstadt, stolz auf ihre Vergangenheit als Mittelpunkt des alt italienischen Reiches der Samniten, die 321 v. Chr. in der Schlacht von Forche Claudine die Römer besiegten. Hauptstadt war damals wahrscheinlich Telesia, wo noch römische Wehrmauern stehen; heute ist es ein beliebter Thermalkurort namens Telese. Die Umgebung ist hügelig und gebirgig, mit weiten blühenden Tälern, Weinbergen, Olivenhainen und Fruchtbäumen, wovon Nüsse und Haselnüsse besonderen Ruf geniessen. In den Nussbäumen von Benevent hielten vordem Hexen ihre Walpurgisnächte ab. An sie gemahnt noch der Name des Likörs «Strega di Benevento», deren Hersteller alljährlich den angesehenen Literaturpreis «Premio Strega» stiften.

Bewegte Geschichte

Kampanien, das den nördlichen Teil der einstigen Magna Graecia bedeckt, spiegelt die tragische Geschichte der Apenninhalbinsel auf eindrucksvollste Weise. Von der hohen Kultur der Samniten, die ungeachtet der Nachbarschaft mit den Etruskern deren Raffinement freilich nicht erreichten, sind nur spärliche Zeugen überliefert, da die Römer auch hier das meiste zerstörten. Sie änderten den ursprünglichen Namen Maleventum in Colonia Julia Felix Beneventum. Glanzvolle Metropole des Imperiums, ward sie von Nero, Trajan, Hadrian und Septimius Severus besucht. Der zu Ehren Trajans errichtete Siegesbogen im heutigen Stadtzentrum zählt zu den besterhaltenen Bauwerken römischer Antike, geschmückt mit prachtvollen Basreliefs.

Im römischen Theater finden Freilichtaufführungen statt. Die byzantinischen Feldherren Belisar und Narses kämpften nahebei mit dem Gotenkönig Totila. Mehrmals ward die Stadt zerstört, erwachte jedoch erneut zur Blüte als Hauptstadt des langobardischen Herzogtums, wovon noch die trutzige Burg steht; bis 1077 war Benevent Fürstentum und fiel sodann an den allmächtigen Kirchenstaat. Älter als die gregorianischen Kirchengesänge sind die Canti von Benevent, auf Pergament im Bischofspalast zu besichtigen.

Im wunderschönen romanischen Kreuzgang der Kirche Santa Sofia beglückt eine archäologische Sammlung den Besucher; auch das Kloster San Francesco besitzt ein Chiostro des zwölften Jahrhunderts. Benevent gehörte sodann zum Reich der Anjou, ward wieder päpstlich, unterstand vorübergehend dem Fürsten von Talleyrand - von Bonapartes Gnaden - und teilte sodann weitgehend die bewegte Geschichte Italiens. Schöne Brücken, Kirchen und Brunnen zieren die gastfreundliche Stadt. Zur Zeit der Römer war sie wichtiger Stützpunkt der verlängerten Via Appia von Capua über Beneventum nach Apulien, wo nördlich von Brindisi die Egnatische Heerstrasse begann, die Westrom mit Ostrom verband.

Neapel und sein Golf

Zur Zeit der klassisch-romantischen Italienreisenden im Gefolge Winkelmanns war Neapel, war der Vesuv, das begehrteste Ziel. Die Millionenstadt ist in letzter Zeit etwas in Verruf geraten. Heute wirkt sie wieder heiter und gepflegt. Falls er sich nicht gerade in die düstern Gässchen der Altstadt verirrt, darf sich der Fremde durchaus sicher fühlen. Die palmenbestandene Meerpromenade, die Via Parténope mit ihren eleganten Hotels, Santa Lucia mit ihren Piedigrotta-Liedern, die Galleria, das weltbekannte Teatro San Carlo, die Castelli - das alles hat seinen Reiz bewahrt wie die Postkarten-Schönheit des herrlichen Golfs von Neapel zu Füssen des erloschenen Vulkans, der dazu die allzuoft gemalte, fotografierte und besungene Kulisse bildet.

Sieht man von der sommerlichen Hochsaison ab, wo alle Mittelmeerküsten vom Massentourismus überschwemmt zu sein pflegen, dann entzückt die Halbinsel von Sorrent, umrankt von der schwindelerregenden Amalfitana-Strasse immer noch Auge und Gemüt. Ein Kurort mit schönen Gärten und Hotels jeder Kategorie reiht sich an den andern, Namen, die wie Musik ins Ohr gehen: Positano, Amalfi, Ravello mit den Villen Rufolo und Cimbrone, wo im Sommer Festspiele zu Ehren Richard Wagners stattzufinden pflegen, der hier die Inspiration zur Blumenmädchen-Szene seines Parsifals empfing.

Amalfi, mit prachtvollem Dom in maurisch-gotischem Stil samt Kreuzgang. Amalfi mit seinem hochgelegenen, nur mit Aufzug erreichbaren Hotel Capuccini war im frühen Mittelalter die erste, das Mittelmeer beherrschende Seerepublik der Apenninenhalbinsel; Pisa, Genua und Venedig folgten später seinen Spuren. Wie eine kühne Handelsflotte unter dem Regime mächtiger Dogen von dieser eng zwischen schroffen Felswänden gedrängten Hafenstadt auslaufen konnte, bleibt dem Betrachter ein Rätsel. Amalfi verfügt über schmale Sandstrände mit klarem Meerwasser.

Lebendige Antike

Das Nationalmuseum von Neapel beansprucht den Ruhm, die bedeutendste archäologische Sammlung Italiens zu besitzen, doch sind nicht immer alle Säle zugänglich - ewige Klage kunstbeflissener Italienreisender. Am eindrucksvollsten lebt das Altertum weiter in den einzigartigen Ausgrabungsstätten Grossgriechenlands, das allerdings auch Apulien, Kalabrien und Sizilien umschloss. Pompeji bleibt ein Glücksfall ohnegleichen. Diese Stadt, von Asche und Lava befreit, bietet einen derart lebendigen Eindruck, als wäre sie vor kurzem noch bewohnt gewesen; daher die Faszination, die Pompeji auch auf kunstgeschichtlich desinteressierte Besucher ausübt, insbesondere die lasziven Fresken im einstigen Lupanar. Überwältigend wirken immer noch die römischen Wandmalereien der Villa dei Misteri Dionisiachi mit der meisterhaften, fortlaufenden Darstellung der Einführung eines jungen Mädchens in die geheimnisvollen Riten zu Ehren des Gottes Bacchus, also zur Mänade.

Herkulaneum, immer noch bloss teilweise ausgegraben, da mitten in der Stadt gelegen, bildet eine wichtige Ergänzung zu Pompeji. War dieses auf einem Hügel erbaut, mit Forum, Säulenstrassen und Tempelruinen, so liegt Ercolaneo als Hafenstadt unmittelbar am Meer. Während von den altitalischen Gebirgsvölkern, den Sabinern, Volskern, Samniten, fast nichts an die Nachwelt gelangte, bietet die Magna Graecia, Megala Hellas, eine antike Stätte von solcher Herrlichkeit, dass sie alles andere übertrifft: Paestum, die einst mächtige Griechenstadt Poseidonia mit ihren drei dorischen Tempeln inmitten eines blühenden Parks, dessen purpurrote Rosenpracht schon Virgil, Ovid und Properz besangen: «Odorati victura rosaria Paesti» . . . Älter als das Parthenon, sind diese Heiligtümer etwas gedrungener, erdenschwer, aber gerade dadurch von überwältigender Monumentalität. Ein schönes Museum zeigt Fragmente meisterhafter Fresken aus römischen Grabstätten, die Basilika weist frühchristliche Bauweise auf.

Zur Region Kampanien zählen auch die reizvollen Eilande Capri, Ischia und Procida, die eine besondere Würdigung verdienen würden. Doch auch innerhalb der beschriebenen Orte birgt die Landschaft bezaubernde Kleinstädte, wie Cava de'Tirreni; die Grossstadt Salerno beglückt mit einem romanischen Dom. Hübsche Majoliken entstehen in überlieferungsreichen Faktoreien. Die Gastronomie brilliert dank Pasta und Pizza alla napoletana, Mozzarella di bufala, aus Büffelmilch hergestellt, längs der Küste dank Meeresfrüchten.

Quelle: Conrad Streit www.ebund.ch


Warum sagt man Neapel sehen und sterben?

Das geflügelte Wort ist geläufig als Ausdruck heller Begeisterung, wenn man etwas Wunderschönes entdeckt hat oder betrachtet. Allerdings ist die deutsche Übersetzung des ursprünglich italienischen Sprichwortes Vedi Napoli e poi muori nicht ganz korrekt. In der italienischen Sprache entsteht nämlich durch die Verwendung des Wortes Muori ein Wortspiel. Es handelt sich dabei sowohl um einen kleinen Ort in der Nähe von Neapel als auch um das Verb sterben. Im Deutschen wird das Sprichwort trotz der nicht ganz glücklichen Übersetzung gerne benutzt. Das mag wohl daran liegen, dass die Stadt Neapel seit jeher als magischer, besonderer Ort gilt. Der Italiener sieht Neapel als ein auf die Erde gefallenes Stück Himmel, während es in Deutschland und Frankreich bis ins 19. Jahrhundert als Sitz der Zauberei und der Nekromantie betrachtet wurde. Wer allerdings das italienische Sprichwort erstmals gesagt hat, ist unklar. Es wird vermutet, dass der Ausspruch durch einen Zufall entstand und sich dann quasi einbürgerte.


Paestum

Ort in Kampanien, am Golf von Salerno, 860 Einwohner. - Als griechische Kolonie Poseidonia in der 1. Hälfte des 7. Jahrhunderts v. Chr. von Achäern aus Sybaris gegründet; 273 v. Chr. römische Kolonie; nach Verheerungen durch die Araber im 9. Jahrhundert n. Chr. verlassen. Das völlig vergessene Paestum wurde erst Mitte des 18. Jahrhunderts wiederentdeckt. Erhalten sind aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. die 4,75 km lange Stadtmauer mit 4 Toren, der Heratempel (sog. Basilika) und der Athenatempel (sog. Cerestempel) sowie der sog. Poseidontempel aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. Ausgegraben wurden das rechtwinklige Strassensystem mit grossen Häuserblocks, das Forum mit den öffentlichen Gebäuden, Fundamente von weiteren Tempeln und einem Amphitheater sowie Gräber ausserhalb der Stadt aus der frühen Bronzezeit, der griechischen und lukanischen Zeit mit Wandmalereien. Meisterwerke griechischer Kunst in Italien sind die von einem der Schatzhäuser des Heratempels stammenden Metopen aus archaischer Zeit.

Die Küche - Usprung und Traditionen

Weine aus der Region

Käse aus der Region



Kampanien wurde von Italien.ch mit 4.1 Punkten bewertet
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